Viele Kooperationen – und ein Vorgeschmack auf die Kulturhauptstadt Pilsen

Auch das Tschechische Zentrum in Wien startet in die neue Saison. Martin Krafl und seine Mitarbeiter aus der Herrengasse arbeiten in den nächsten Wochen unter anderem mit der Gemäldegalerie Unteres Belvedere zusammen. Außerdem bringen sie tschechische Künstler auf die internationale Designbühne und holen Musiker nach Wien. Die Details zum Programm hat Martin Krafl, der Leiter des Tschechischen Zentrums Wien.

Projekt über den sogenannten Hagenbund - Bohumil Kubišta: Landschaft mit KirchleinProjekt über den sogenannten Hagenbund - Bohumil Kubišta: Landschaft mit Kirchlein Herr Krafl, das Tschechische Zentrum ist zurück aus der Sommerpause. Ende September beginnt ein Bildungsprojekt über den sogenannten Hagenbund und seine Verbindungen in die Böhmischen Länder. Was verbirgt sich denn hinter dem Hagenbund, und was hat er mit Böhmen und Mähren zu tun?

„Der Hagenbund war eine Wiener Künstlervereinigung. Dieser Bund hat die mitteleuropäische Kunstszene in den Jahren 1900 bis 1930 stark geprägt. Uns interessiert dabei vor allem die Künstlergruppe Mánes aus der ehemaligen Tschechoslowakei, weil gerade von dieser Gruppe viele Impulse nach Wien kamen, insbesondere durch Antonín Trčka.“

Unteres Belvedere (Foto: Bildarchiv Belvedere, Wikimedia CC BY-SA 3.0 AT)Unteres Belvedere (Foto: Bildarchiv Belvedere, Wikimedia CC BY-SA 3.0 AT) Wie wird also das Projekt, mit dem sich das Tschechische Zentrum an der Ausstellung beteiligt, genau aussehen – was erwartet die Besucher?

„Den Anfang hat das Untere Belvedere gemacht. Diese große Wiener Galerie ist mit dem Thema auf uns zugekommen, was uns wahnsinnig gefreut hat. Die Ausstellung über den Hagenbund beginnt am 11. Oktober im Unteren Belvedere, und wir haben uns gemeinsam mit Kunsthistorikern mit der Frage beschäftigt, wie wir diese Ausstellung bereichern könnten. Schließlich haben wir uns entschieden, ab Ende September ein Parallelprojekt zu organisieren. Es handelt sich um ein Bildungsprojekt, das ausgewählte historische Hagenbundausstellungen dokumentiert. Das interaktive Parallelprojekt wird in der Galerie des Tschechischen Zentrums Wien zu sehen sein. Die Eröffnung findet am 17. September um 19.30 Uhr statt. Dazu reist Professor Vojtěch Lahoda vom Prager Institut für Kunstgeschichte an, der einen Vortrag über den Hagenbund halten wird. Das Projekt kann bei uns bis Anfang November besucht werden. Auch am Wochenende besteht die Möglichkeit, sich dieses Projekt anzusehen. Am 4. Oktober gibt es einen ‚Open Saturday‘.“

Foto: Offizielle Facebook-Seite der Vienna Design WeekFoto: Offizielle Facebook-Seite der Vienna Design Week Von der Kunstgeschichte kommen wir zum Design von heute. Ab dem 26. September läuft die Vienna Design Week, das größte österreichische Festival für Produkt-, Industrie- und Grafikdesign. Dazu werden auch zwei tschechische Designer nach Wien reisen, die gemeinsam das Duo deFORM bilden. Welche Art von Produkten entwerfen die beiden Designer, und was werden sie in Wien zeigen?

„Das Studio deFORM wurde bereits mehrmals ausgezeichnet. Wir denken, dass die beiden jungen Künstler sehr gut zur Vienna Design Week passen. Sie kommen mit einer sehr speziellen Installation, und zwar mit einer Installation von edlen Ledern. Ausstellen werden sie diese bei einem der renommiertesten Schuhmacher in Wien, bei der Firma Rudolf Scheer & Söhne, die seit 1816 hier ansässig ist. Wir finden es sehr spannend, dass die alteingesessene Schuhfirma den jungen Designern die Möglichkeit gibt, sich bei ihnen vorzustellen. Das Studio deFORM hat sich in Tschechien und eigentlich in ganz Europa bereits einen Namen gemacht. Es steht für exklusives Produktdesign, Möbel sowie Werbekonzepte und hat unter anderem für die Firmen Krust, Heineken oder Kavalier entworfen.“

Duo deFORM vor der Firma Rudolf Scheer & Söhne (Foto: Archiv des Tschechischen Zentrums Wien)Duo deFORM vor der Firma Rudolf Scheer & Söhne (Foto: Archiv des Tschechischen Zentrums Wien) Wo und wann wird das Studio deFORM in Wien anzutreffen sein?

„Die Vernissage findet am 26. September um 17 Uhr bei der Firma Rudolf Scheer & Söhne statt. Dort ist die Ausstellung dann zwei Wochen lang bis zum 4. Oktober zu sehen.“

Im Oktober kommt dann das nächste Design-Großereignis auf Wien zu. Die internationale Designmesse „Blickfang“ macht Station in der österreichischen Hauptstadt. Die Hersteller präsentieren und verkaufen dort Möbel, Mode und Schmuck. Wer wird Tschechien dort vertreten?

Foto: Archiv des Studios LLEVFoto: Archiv des Studios LLEV „Dieses Jahr haben wir zwei Vertreter aus der tschechischen Designszene. Der erste ist das Studio Master & Master. Die Designer kommen mit klapp- und stapelbaren Regal- und Tischgarnituren nach Wien. Das zweite Studio heißt LLEV. Es wurde 2012 für den Preis ‚Designer des Jahres‘ nominiert und beschäftigt sich mit Kristallprodukten. Seine Vertreter entwerfen für Firmen wie Becherovka und Simax. Ihre Kristallprodukte kann man sich zwischen dem 17. und 19. Oktober im Museum für Angewandte Kunst in Wien ansehen. Ich möchte aber hinzufügen, dass die Blickfang-Messe insgesamt hochspannend ist. Sie bietet sowohl ein Einkaufserlebnis als auch Inspiration. Allen, die Design lieben, empfehle ich zu dieser Messe nach Wien zu kommen.“

Noch eine weitere Kooperation des Tschechischen Zentrums mit einem Wiener Festival steht auf dem Programm: das Waves Vienna. Das Festival für internationale Alternative- und Independent-Musik findet zum vierten Mal statt. Welche Musiker erwarten die Besucher denn bei der Czech Music Night?

Indierocker Houpací koně (Foto: YouTube)Indierocker Houpací koně (Foto: YouTube) „Wir sind sehr stolz, dass wir bei diesem Festival vertreten sind, aber ich muss gleich dazu sagen, dass wir nicht der einzige Veranstalter sind. Es geht eigentlich schon um das Jahr der Kulturhauptstadt 2015 in Pilsen. Der Abend soll ein Vorgeschmack auf die Kultur in Pilsen sein, insbesondere auf die Musik, die es dort dann auch zu hören geben wird. Zusammen mit dem Projekt Kulturhauptstadt Pilsen bringen wir drei Gruppen nach Wien. Das sind zum einen die Indierocker Houpací koně – Schaukelpferd. Außerdem kommt der Songwriter Johannes Benz, der für seine nordamerikanischen Elemente aus Country, Rock’n‘Roll und Blues bekannt ist. Schließlich wird Electric Lady an der Czech Music Night teilnehmen. Sie spielt Funk, Blues und Soul. Die Konzerte finden am Freitag, den 3. Oktober statt. Beginn ist um 20 Uhr. Der Veranstaltungsort ist sehr spannend – es ist das Flex am Donaukanal, das ein sehr junges Publikum hat. Wir hoffen natürlich, dass wir die Besucher begeistern können.

Kulturhauptstadt PilsenKulturhauptstadt Pilsen Und alle Musiker, die bei der Czech Musik Night spielen, sind nächstes Jahr auch in Pilsen zu sehen?

„Genau, darum geht es – es ist ein Vorgeschmack auf Pilsen. Ich kann aber jetzt schon verraten, dass umgekehrt nächstes Jahr das Waves Vienna ein Konzert in Pilsen veranstalten wird. Das heißt, das Festival wird drei Künstler auswählen und für die Reise nach Pilsen nominieren. Damit wird das Pilsener Publikum die Möglichkeit haben, Musik aus Wien zu hören.“