Urbanes Leben, moderner Scherenschnitt und ein Superlaser

Nicht nur Kultur, sondern auch Technik bietet in den kommenden Wochen das Programm des Tschechischen Zentrums in Berlin. Was das konkret heißt, dazu mehr im Interview mit Christina Frankenberg, der stellvertretenden Leiterin des Zentrums.

KillieKrankie (Foto: Archiv des Tschechischen Rundfunks)KillieKrankie (Foto: Archiv des Tschechischen Rundfunks) Frau Frankenberg, wir sprechen nun in relativ kurzer Zeit erneut miteinander, weil das Tschechische Zentrum Berlin in diesen Wochen eine Menge Veranstaltungen bietet. Am Freitag zum Beispiel kommt eine weitere Band für eine Unplugged-Session zu Ihnen. KillieKrankie heißt sie. Wer steht dahinter, und auf welche Musik darf man sich freuen?

„Bevor wir irgendwann in die Sommerpause gehen, legen wir noch einmal zu einem ordentlichen Endspurt an. Deshalb wurde viel Programm vorbereitet. Die nächste Veranstaltung ist jetzt am Freitag das erwähnte Konzert mit dem Elektro-Projekt KillieKrankie. Das sind die beiden jungen Musiker Jan Kostera und Jiří Machů. Sie spielen keine klassischen Musikinstrumente, sondern Keyboard und Computer. Das funktioniert natürlich auch nicht so richtig unplugged, sondern für diese Session wird Technik und Strom nötig sein. KillieKrankie hat den Wettbewerb ‚Startér‘ von Radio Wave, dem Jugendsender des Tschechischen Rundfunks, gewonnen. Radio Wave hat den Musikern dann dabei geholfen, auf die großen Sommerfestivals in Tschechien zu kommen. So haben sie zum Beispiel bei Colours of Ostrava im vergangenen Jahr gespielt und bei den United Islands in Prag, aber auch beim slowakischen Festival ‚Pohoda‘. In Berlin werden sie nun das erste Mal zu hören sein.“

Der nächste Doku-Montag ist der letzte vor der Sommerpause. Er trägt den Titel „My Street Films“. Was ist da alles zu sehen?

„My Street Films ist ein internationales Projekt, bei dem Kurzfilme zum Leben in der Stadt gesammelt werden. Wir haben uns mit den Veranstaltern des Prager Teils zusammengetan und werden auch die Projektmanagerin Hana Gomoláková hier begrüßen können. Sie hat für uns ein Programm zusammengestellt von Kurzfilmen, die in Tschechien entstanden sind. Das sind sowohl Werke von Regisseuren und Regisseurinnen, die sich im Dokumentarfilm bereits einen Namen gemacht haben, wie etwa Veronika Lišková oder Rozalie Kohoutová. My Street Films organisiert aber auch regelmäßig Wettbewerbe für junge Amateurfilmemacher, die von erfahrenen Regisseuren angeleitet werden. Und wir werden einige der ausgezeichneten Arbeiten zeigen.“

„Zeit des Kirschrauchs“ heißt ein Theaterstück der tschechischen Dramatikerin Kateřina Rudčenková, es wird am 15. Juni im Tschechischen Zentrum vorgestellt. Worum geht es in dem Stück, und auf welche Art wird es in Berlin präsentiert?

„‚Zeit des Kirschrauchs‘ beschäftigt sich mit den Lebensentwürfen von drei Generationen von Frauen: Mutter, Tochter und Großmutter.“

„Wir zeigen Ausschnitte aus diesem Stück in einer szenischen Lesung. ‚Zeit des Kirschrauchs‘ beschäftigt sich mit den Lebensentwürfen von drei Generationen von Frauen: Mutter, Tochter und Großmutter. Die drei Protagonistinnen werden bei der Lesung von drei Berliner Schauspielerinnen verkörpert – Hürdem Riethmüller, Hannah Schröder und Thea Rasche. Wir werden auch die Autorin Kateřina Rudčenková zu Gast haben, die im Anschluss in einem Gespräch sich und ihre Schaffen vorstellt. Dieser Abend ist Teil des Festivals ‚Ein Stück: Tschechien‘, das wir schon seit mehreren Jahren zusammen mit dem Berliner Verein Drama Panorama veranstalten. Das Festival ist als Biennale angelegt. Es gibt immer einen sogenannten größeren Jahrgang, den hatten wir im vergangenen Jahr. Dort wird eines der vorgestellten Stücke mit dem Publikumspreis des Tschechischen Zentrums ausgezeichnet. Und der Autor, oder wie jetzt die Autorin, die den Preise gewonnen hat, kommt dann im drauffolgenden Jahr zum kleineren Jahrgang nach Berlin. Das Stück ‚Zeit des Kirschrauchs‘ bietet auch die Grundlage für ein Übersetzerseminar, was wir am Donnerstag und Freitag kommender Woche für Studierenden der Bohemistik veranstalten. Uns hat gefreut, dass es dafür großes Interesse gegeben hat.“

Ganz anderer Art ist ein Festival vom 22. bis 24. Juni. Dabei geht es um tschechischen Erfindungsreichtum…

„Das ist das Czech Innovation Festival. Wir veranstalten es zum zweiten Mal. In diesem Jahr sind virtuelle Realität und der stärkste Laser der Welt die beiden zentralen Themen. Der Laser wird von der Firma ELI Beamlines in Tschechien entwickelt, das Unternehmen ist auch der Hauptpartner des Festivals. Das Programm erstreckt sich über drei Tage. Am 22. Juni gibt es eine große Eröffnung in der Tschechischen Botschaft, die ein weiterer Partner des Festivals ist. Dort wird der stärkste Laser der Welt vorgestellt, es geht um die Zukunft der virtuellen Realität, und mit den Firmen Bitkom und Solirax erzählen wir zwei Erfolgsgeschichten. Am zweiten Tag stellen sich sieben tschechische Startups vor. Es wird neben den Präsentationen auch Treffen mit den Startups geben und am Abend ab acht Uhr dann ein Czech Startup Pitch. Am Samstag, 24. Juni, geht das Festival mit der langen Nacht der Wissenschaften zu Ende. Dabei kann man noch einmal alle Firmen und Startups treffen. Dieser Programmteil findet in englischer und deutscher Sprache statt, die ersten beiden Tage sind nur auf Englisch. Das Festival wendet sich an ein breites Publikum, aber Interesse am Thema Computer sollte man natürlich mitbringen.“

Jaromír 99 nennt sich ein Prager Musiker und Comic-Zeichner. Er wird ab Juli bei Ihnen ausstellen. Was bringt er nach Berlin mit?

„Jaromír 99 hat die alte Technik des Scherenschnitts neu erfunden und sie mit den Möglichkeiten des Comics vereint.“

„Vorausschicken möchte ich, dass dies nur eine von zwei Ausstellungen ist, die Jaromír 99 in diesem Jahr zeigt. Im Augenblick ist ein Teil der Schau noch in Prag zu sehen. Und am 6. Juli eröffnen wir dann die Ausstellung ‚Kill Time‘ mit Porträts und Landschaften des Künstlers. Dafür hat Jaromír 99 die alte Technik des Scherenschnitts neu erfunden und sie mit den Möglichkeiten des Comics vereint. So hat er einen überraschenden, neuen und eigenen Ausdruck gefunden. Die deutschen Leser kennen Jaromír 99 vielleicht als Zeichner der Comics ‚Alois Nebel‘, ‚Zátopek‘ oder ‚Das Schloss‘. Er ist aber auch ein bekannter Musiker, wie Sie schon gesagt haben. Er ist Mitbegründer der Band Priessnitz und derzeit auch öfters bei der Kafka-Band zu hören. Bei der Ausstellungseröffnung am 6. Juli wird er ein kleines Konzert im Tschechischen Zentrum geben. Noch erwähnen möchte ich, dass diese Ausstellung von Miroslav Houška und Adam Hnojil kuratiert wird und den ganzen Sommer über bis Ende August läuft.“