Sänger, Schriftsteller, Grafiker und Designer – buntes Stelldichein im Tschechischen Zentrum Wien

In Wien geben sich in der nächsten Zeit viele tschechische Künstler und Kreative ein Stelldichein – entweder persönlich oder durch ihre Werke. Martin Krafl, Leiter des Tschechischen Zentrums in der österreichischen Hauptstadt, erläutert im Interview, wer und was alles zu sehen und hören sein wird.

Schuhkollektion der Eliška Kuchtová (Foto: Student Design)Schuhkollektion der Eliška Kuchtová (Foto: Student Design) Herr Krafl, das Tschechische Zentrum in Wien hat ein reichhaltiges Programm in den nächsten Wochen. Wir können natürlich im Rahmen der Sendung längst nicht auf alles hinweisen. Aber sicher interessant werden dürfte die Ausstellung Nový (z)boží – auf Deutsch soviel wie: Neue Götter, neue Güter. Dort wird nämlich studentisches Design aus Tschechien gezeigt, das bei einem speziellen Wettbewerb prämiert wurde. Warum ist das so besonders, und was gibt es dort zum Beispiel zu sehen?

„Coole, neue tschechische Designprodukte feiern in Österreich ihren Erfolg. Eine ähnliche Ausstellung wurde bereits zweimal in Wien gezeigt. Nun kommt sie erneut nach Österreich. Für den Wettbewerb waren 176 Arbeiten eingereicht worden. Sie stammen von 18 Universitäten und 13 Fachhochschulen und Mittelschulen. Neben der Tschechischen Republik gehören zu den teilnehmenden Ländern auch die Slowakei, Deutschland und Kanada. Die drei Fachjurys des Wettbewerbs aus renommierten Hochschullehrern, Designern, Architekten und Kuratoren nominiert dann 93 Arbeiten. Davon wurde eine mit dem Staatspreis ‚National Work For Studys Design 2012’ ausgezeichnet, drei mit dem Titel ‚Excellent Student Design’ und zwanzig mit ‚Outstanding Student Design’. Das Tschechische Zentrum Wien präsentiert unter anderem die Schuhkollektion der letztjährigen Staatspreisgewinnerin Eliška Kuchtová, die Wasserglaskollektion ‚Straight’ von Eliška Motlová, das Musikinstrument ‚PassBass’ von Wanda Valihrachová, eine ‚Käseglocke’ von Nikola Klamtová und ein ‚Graffiti-Service’ von Jakub Kabát. Zu den Highlights der Ausstellung zählen die originelle Damenpracht von Pavlína Půčková und die poppigen Polstermöbel der Mittsommerkollektion ‚Neunerlei Kräuter’ von Dana Elsterová. Die Ausstellung läuft bis zum 11. April in der Galerie des Tschechischen Zentrums in Wien.“

Während die jungen Design-Studenten noch ihren Weg ins Ausland suchen, hat einer dies schon geschafft: Adam Plachetka. Der Bassbariton wird zu Ihnen ins Tschechische Zentrum kommen. Vielleicht können Sie Plachetka unseren Hörern vorstellen….

„Adam Plachetka ist seit 2010 Ensemblemitglied der Wiener Staatsoper. Dies ist etwas sehr Außergewöhnliches. In diesem Jahr war er der Star des Opernballs. Wir sind sehr stolz, dass er bereit war, das Tschechische Zentrum in der Herrengasse in der Stadtmitte von Wien zu besuchen. Am 12. März werden wir mit ihm über seine Karriere und Zukunftspläne sprechen. In Kooperation mit dem Musik-Label ‚Supraphon’ stellen wir in Österreich seine aktuelle CD mit Georg Friedrich Händels Oratorio Arias vor.“

Wird Plachetka im Tschechischen Zentrum auch singen?

„Das kann ich noch nicht bestätigen. Die Akustik im Tschechischen Zentrum ist nicht optimal. Diesmal besteht eher eine tolle Gelegenheit, mit ihm zu sprechen. Wenn man die Staatsoper besucht, hört man ihn singen. Sprechen kann man ihn dort aber nicht.“

Emil Hakl brilliert – eher als mit der Stimme - beim Schreiben. Der Schriftsteller kommt am 26. März mit seinem Roman „Regeln des lächerlichen Benehmens“ in ihr Haus…

Foto: Braumüller LiteraturverlagFoto: Braumüller Literaturverlag „Hakl wird sein Buch persönlich in Wien vorstellen. Er spricht aber leider nicht so gut Deutsch, dass er den ganzen Abend lang vorlesen kann. Helfen wird ihm daher Mirko Kraetsch, der das Buch ins Deutsche übersetzt hat. Er kommt aus Berlin nach Wien. Wir setzen mit diesem Abend den Literaturschwerpunkt der Tschechischen Zentren im Jahr 2013 fort. Im Buch ‚Regeln des lächerlichen Benehmens’ geht es um die Beziehung zwischen Vater und Sohn. Der Sohn ist ein erfolgreicher Schriftsteller, sein Vater stirbt an Krebs. Der letzte Wunsch des Vaters war, noch einmal das Meer zu sehen. Deswegen begibt sich der Sohn mit seinen Freunden und der Urne seines Vaters auf einen sehr abenteuerlichen Trip.“

Im April findet in Wien die Internationale Grafik-Triennale statt – und zwar auch mit tschechischer Beteiligung. Was wird aus Ihrer Heimat denn zu sehen sein?

„Wir sind sehr stolz auf die Grafik-Triennale in Wien. Nach Absprache mit den Kuratoren haben wir uns entschieden, sort das Schaffen des bekannten, aus Olmütz stammenden Grafikers und Zeichners Ondřej Michálek vorzustellen. Für seine Werke sind innovative technische Experimente charakteristisch sowie eine Betonung des Inhalts - also visuelle Metaphern, die er originell und prägnant verwendet. Die Ausstellung wird als Begleitprogramm zur internationalen Grafik-Triennale im Wiener Künstlerhaus stattfinden und läuft vom 18. April bis 12. Juni. In diesem Rahmen wird auch die Plakatsammlung der Mährischen Galerie Brünn präsentiert. Insgesamt werden bei der Grafik-Triennale Arbeiten von 100 internationalen Künstlern und Künstlerinnen gezeigt. Sie wurden von einer internationalen Jury ausgesucht, im Rahmen einer Kooperation mit der Internationalen Grafik-Triennale Krakau. Ich freue mich sehr, dass Ondřej Michálek und die Mährische Galerie Brünn dabei sind.“

Zeitlich ein bisschen weiter entfernt ist das Filmfestival Crossing Europe in Linz. Dort wird eine tschechische Regisseurin erwartet. Vielleicht können Sie sagen, wer das sein wird…

‚Soukromý vesmír - Private Universe’ (Foto: Tschechisches Fernsehen)‚Soukromý vesmír - Private Universe’ (Foto: Tschechisches Fernsehen) „Das Filmfestival Crossing Europe in Linz findet dieses Jahr in der letzten Aprilwoche statt. Wir sind sehr glücklich darüber, dass die berühmte Regisseurin Helena Třeštíková kommt. Sie stellt den Dokumentarfilm ‚Soukromý vesmír - Private Universe’ vor.“

(Anm. d. Red.: Den Film ‚Soukromý vesmír - Private Universe’ haben wir in unseren Sendungen bereits vorgestellt.)