Plattenbauten, Krisengebiete und viele Bilder

In den ersten Wochen des neuen Jahres geht es thematisch bunt zu im Tschechischen Zentrum in Berlin. Es kommen unter anderem Malerinnen und Maler, ein Chirurg oder etwa Journalisten und eine Kunsthistorikerin in die Wilhelmstraße. Näheres zu den Programmpunkten erläutert Christina Frankenberg, stellvertretende Leiterin des Zentrums.

Foto: Archiv des Tschechischen Zentrums BerlinFoto: Archiv des Tschechischen Zentrums Berlin Frau Frankenberg, bereits in der kommenden Woche geht es schon wieder los im Tschechischen Zentrum, und zwar mit einer Ausstellung junger Malerei aus Prag, Berlin und Dresden. Wer und was werden zu sehen sein?

„In der Ausstellung, die am 11. Januar eröffnet wird, zeigen wir Arbeiten von jungen Malern und Malerinnen, Studierenden und Absolventen von drei Hochschulen. Und zwar ist das zum einen die Akademie für Kunst, Architektur und Design in Prag, die Akademie der Künste in Berlin und die Hochschule für Bildende Künste in Dresden. Die Arbeiten haben sehr unterschiedliche Motive und Formate. Erst wenn die Ausstellung installiert ist, also ein oder zwei Tage vor der Vernissage, werden wir selbst auch genau sehen, welche Bezüge, Begegnungen und Unterschiede zwischen den jungen Malern und Malerinnen und ihren Werken bestehen.“

Strnadovi (Foto: Tschechisches Fernsehen)Strnadovi (Foto: Tschechisches Fernsehen) Eine Ausstellung, bei der die Besucher also auch entdecken können. Wir kommen zu einem anderen Thema: Im Januar sind zweimal bei den sogenannten Doku-Montagen neue Filme aus Tschechien zu sehen. Der eine stammt von der schon lange bekannten Dokumentarregisseurin Helena Třeštíková, der andere von Nachwuchsfilmemachern. Worum geht es jeweils?

„Am 15. Januar eröffnen wir ein neues Festivaljahr in dem kleinen Programm der Doku-Montage, und zwar mit dem bisher letzten Film von Helena Třeštíková. Es ist die Langzeitdokumentation ‚Strnadovi‘ über das Ehepaar Strnad. Es war eines der Paare, die Třeštíková zu Beginn der 1980er Jahre auf das Standesamt begleitet hat. Und seitdem, also seit mehr als 35 Jahren, ist sie den beiden mit der Kamera gefolgt. Entstanden ist dieser Film wie auch andere in der Reihe ‚Ehe-Etüden‘. Eigentlich war der Vorsatz, zu untersuchen, warum in der damaligen Tschechoslowakei die Scheidungsrate so hoch lag. Aber wie viele weitere Ehepaare aus diesem Zyklus haben sich die Strnads nicht scheiden lassen, sondern zusammen viele Höhen und Tiefen durchlebt. Der andere Film heißt ‚Batalives‘ ist von Karolína Zalabáková und Petr Balinec. Die beiden jungen Filmemacher haben weltweit Werksiedlungen der in Zlín gegründeten Baťa-Fabrik besucht. Diese Siedlungen sind überall dort entstanden, wo damals der Konzern seine Betriebe hatte. Die Regisseure haben die Menschen aus fünf Siedlungen porträtiert. Der Film zeigt auch, wie unterschiedlich in den jeweiligen Ländern mit dem Erbe Baťas umgegangen wurde.“

Pavel Polák (Foto: Jan Rasch, Archiv des Tschechischen Rundfunks)Pavel Polák (Foto: Jan Rasch, Archiv des Tschechischen Rundfunks) Am 22. Januar sind dann sozusagen Kollegen von mir bei Ihnen zu Gast. Und zwar kommen vier Preisträger des Deutsch-Tschechischen Journalistenpreises in die Wilhelmstraße…

„Es sind drei Tschechen beziehungsweise Tschechinnen und ein Deutscher. Sie sind alle mit dem Deutsch-Tschechischen Journalistenpreis 2017 ausgezeichnet worden und werden hier über sich und von ihrer Arbeit erzählen. Es kommen Pavel Polák, der Korrespondent des Tschechischen Rundfunks in Berlin, Peter Lange, ARD-Radio-Korrespondent in Prag, Tomáš Lindner vom tschechischen Wochenmagazin ‚Respekt‘ sowie Veronika Kupková, die in der Kategorie Multimedia einen der beiden Preise gewonnen hat. Außerdem wird auch Tomáš Jelínek, der tschechische Geschäftsführer des Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds, dabei sein und den Journalistenpreisvorstellen.“

Tomáš Šebek (Foto: Adam Kebrt, Archiv des Tschechischen Rundfunks)Tomáš Šebek (Foto: Adam Kebrt, Archiv des Tschechischen Rundfunks) Der Chirurg Tomáš Šebek arbeitet nicht nur in einem Prager Krankenhaus, er reist auch in die Krisengebiete der Welt – und zwar mit den „Ärzten ohne Grenzen“. Am 30. Januar wird er im Tschechischen Zentrum über seine Tätigkeit erzählen, aber nicht nur das…

„Tomáš Šebek hat sich mittlerweile auch einen Namen gemacht als Autor von inzwischen drei Büchern. Er ist in den Krisengebieten nicht nur als Arzt tätig, sondern hat beeindruckende Tagebuch- oder Blockaufzeichnungen geführt. Diese sind vom Verlag Paseka in Tschechien als Bücher veröffentlicht worden. Hier in Berlin werden wir seine Aufzeichnungen aus Afghanistan vorstellen. Šebek hat im Kundus-Traumazentrum in Norden des Landes in einem internationalen Team gearbeitet. Dieses Krankenhaus ist später bei einem Bombenangriff zerstört worden, ehemalige Kollegen von ihm sind dort auch ums Leben gekommen. Tomáš Šebek berichtet in seinen sehr schnell rhythmisierten Texten vom aufregenden Alltag eines Chirurgen im permanenten Ausnahmezustand. Er beschreibt auch den Kontakt zu den Patienten, die medizinischen Eingriffe und die Zusammenarbeit in dem Team. Ihm gelingt es sehr eindrucksvoll, die Atmosphäre des Landes aufzunehmen und zu beschreiben – obwohl er sich zum Beispiel in Afghanistan selbst als Zivilperson gar nicht frei auf den Straßen bewegen konnte.“

Und bei einer Veranstaltung am 5. Februar geht es dann um Architektur – und zwar um Plattenbauten…

„Das ist eine weitere Veranstaltung aus unserer Reihe ‚Architekturinterventionen‘. Wir werden die junge Prager Kunsthistorikerin Michaela Janečková bei uns zu Gast haben, und sie wird das Projekt ‚paneláci‘ vorstellen. ‚Paneláci‘ ist ein Wortspiel und beruht auf dem tschechischen Wort für Plattenbauten – paneláky. Allerdings wurde das ursprüngliche Wort belebt, für einen Tschechen klingt das dann so, als würden diese Plattenbauten wirklich leben. Unter diesem Begriff ‚paneláci‘ gibt es seit 2014 ein recht großes Projekt, das in zahlreichen Ausstellungen die Plattenbausiedlungen in Tschechien dokumentiert hat. Inzwischen ist auch ein dicker Band erschienen, der diese Plattenbausiedlungen beschreibt. Im Internet lässt sich zudem eine digitale Karte aufrufen. Die Präsentation von Michaela Janečková findet in englischer Sprache statt.“

Ab Sonntag bis zum darauf folgenden Samstag können Sie abstimmen, welcher Song aus der Woche Ihnen am meisten gefallen hat. (mehr...)