Mehr Struktur fürs Programm

Das Programm des Tschechischen Zentrums in Berlin soll besser und stärker strukturiert werden. Das ist jedenfalls ist die Idee des Direktors der Institution, Tomáš Sacher. Im Interview für Radio Prag erläutert er, dass neue Programmreihen hinzukommen sollen, so zum Beispiel für klassische Musik von jungen Interpreten, modernen Tanz und Fotografie.

Herr Sacher, Mitte September startet bei Ihnen im Tschechischen Zentrum das Herbstprogramm. Dabei erinnern Sie unter anderem an einen wichtigen Architekten der tschechoslowakischen Moderne: Bohuslav Fuchs. Was zeichnet ihn aus, und was haben Sie zu ihm geplant?

„Bohuslav Fuchs ist ein Pionier der architektonischen Moderne. Viele Merkmale seiner Arbeit findet man sowohl bei deutschen als auch bei tschechischen Architekten wieder. Auch wenn er selbst nie dort gearbeitet hat, besteht eine Verbindung zu Deutschland. Seine Werke wirken heute noch sehr aktuell. Wir versuchen mit dieser Ausstellung, das Bild eines Architekten zu zeigen, der insgesamt mehr europäisch als tschechisch ist. Dazu nutzen wir den Galerieraum, der sich in dem wunderschönen Gebäude der tschechischen Botschaft befindet. Im Bereich Architektur wollen wir dem Publikum die tschechischen Traditionen und ihre wichtigsten Vertreter vorstellen.“

Im Oktober werden zudem die Bilder tschechischer Fotografen in Berlin zu sehen sein. Worum handelt es sich bei dieser Veranstaltung?

„Die Ausstellung ‚Innere Welten‘ zeigt sehr schön, wie intim Fotografie sein kann.“

„Es ist ein Projekt, das wir zusammen mit dem Institut für Fotografie an der Universität Opava verwirklicht haben. Es ist interessant, dass das Institut heutzutage so anerkannt ist. Viele Fotografen, die von dort in die Welt gehen, sind recht erfolgreich. In Opava konzentriert man sich vor allem auf konzeptionelle Fotografie. Wichtig ist auch, dass die Studierenden dort aus vielen Ländern kommen. In Berlin wollen wir natürlich vor allem die Tschechen zeigen, aber wir haben auch polnische und slowakische Künstler mitgenommen. Wir zeigen die besten Arbeiten der letzten 25 Jahre zeigen, die seit der Gründung des Instituts entstanden sind. Zudem haben wir den wichtigsten Professor des Instituts, Vladimír Birgus, für das Projekt gewonnen. Der Name der Ausstellung ist „Innere Welten“. Sie zeigt sehr schön, wie intim Fotografie sein kann. Mein Vorhaben ist, dass wir immer im Herbst tschechische Fotografen und tschechische Fotografie zeigen. Denn alle zwei Jahre gibt es in Berlin einen Europäischen Monat der Fotografie. Im vergangenen Jahr haben wir dort mit einer Ausstellung von Jan Saudek großen Erfolg gehabt. Und nächstes Jahr wollen wir wieder dabei sein.“

Foto: Verlag HostFoto: Verlag Host Das Buch Dešťova hůl von Jiří Hajíček hat im vergangenen Jahr in Tschechien viele Leser begeistert. Nun kommt es auch auf Deutsch heraus. Und Sie werden es im Tschechischen Zentrum am 18. September praktisch vorab präsentieren. Vielleicht können Sie mehr dazu sagen…

„Die deutschen Leser und Leserinnen kennen Jiří Hajíček schon. Das neue Buch ist der letzte Teil seiner Trilogie. Der Abend bei uns wird exklusiv: Wir präsentieren schon übersetzte Teile des Buchs, obwohl das Buch selbst erst noch erscheinen wird. Aber wir wollen dem Publikum schon eine Kostprobe von dem Roman geben, der auf jeden Fall sehr interessant sein wird.“

Zur Musik: Die Reihe Wilhelmstr./(un)plugged hat bereits mehrere junge Bands aus Tschechien nach Berlin gebracht. Am 22. September steht ein weiteres Konzert an. Wer wird sich diesmal dem deutschen Publikum präsentieren?

„Dieses Mal ist es eine Indie-Pop Musikband. Sie heißt Ghost of You. Die Jungs sind inzwischen schon ziemlich erfolgreich. Sie wollen auch gerne in Deutschland spielen, wo sie bereits weitere Konzerte geplant haben. Die Reihe Wilhelmstr./(un)plugged hat sich ziemlich schön entwickelt. Alle zwei Monate zeigen wir in Berlin, Düsseldorf oder auch Hamburg junge Bands, die langsam eine ganz neue Szene bilden. Nicht nur im tschechischen Indie-Pop, sondern auch bei der elektronischen Musik ist ziemlich viel in Bewegung gekommen. Es ist wunderbar, solch eine Auswahl zu haben. Wilhelmstr./unplugged wollen wir auf jeden Fall fortsetzen. Wir überlegen sogar, im nächsten Jahr ein kleines Festival zu veranstalten.“

Tomáš Jamník (Foto: Tomáš Vodňanský, Archiv des Tschechischen Rundfunks)Tomáš Jamník (Foto: Tomáš Vodňanský, Archiv des Tschechischen Rundfunks) Im Oktober planen Sie zudem klassische Musik…

„Da geht es um eine neue Musikreihe, für die ich noch keinen festen Namen habe. Vorläufig nenne ich sie ‚klassische Musik ganz frisch‘. Vielleicht bleibt es auch bei dem Namen. Mit dieser Reihe wollen wir Interpreten klassischer Musik, die ohnehin ganz gute Verbindungen nach Deutschland haben, in einem bisschen anderen Gewand zeigen. Das kann man vielleicht anhand des ersten Konzerts der Reihe erklären. Der junge Cellist Tomáš Jamník, der auch oft und gerne in Deutschland spielt, hat zu diesem wunderschönen Konzert den Akkordeonisten Frode Haltli aus Norwegen eingeladen. Zuerst sind sie in Berlin aufgetreten und erst danach hier in Prag beim Festival Prager Frühling. Das Niveau war wunderbar, und viele Besucher sind gekommen. Das hat mich so begeistert, dass ich so etwas öfter machen will. Dazu gehört dann auch, zusammen mit den jungen Musikern neue Formate zu entwickeln. Das zweite Konzert nun ist mit den Havelková-Schwestern geplant. Da geht es nicht um typisch klassische Musik. Unser Ziel ist es, ein Format zu entwickeln, das etwas kleiner und nicht so für die großen Konzerthäuser gedacht ist. Aber wer weiß, vielleicht werden die Künstler beim nächsten Mal doch in diesen großen Konzertsälen spielen. Denn unser Anliegen ist es, aus dem talentierten und ambitionierten Nachwuchs auszuwählen.“

Sie haben schon die neuen Tendenzen am Tschechischen Zentrum angesprochen. Gibt es allgemein eine Richtung, die Sie besonders einschlagen wollen?

„Mein Ziel ist es, unser Programm klarer und stärker zu strukturieren.“

„Mein Ziel ist auf jeden Fall, unser Programm klarer und stärker zu strukturieren. Zwar haben wir jetzt schon einige Programmreihen, doch ich glaube, es könnten noch mehr sein. Den Anfang hat die mittlerweile erfolgreiche Reihe DokuMontag gemacht. Jetzt wollen wir aber noch weitere entwickeln. Neben der Musik mit Wilhelmstr./(un)plugged und ‚klassische Musik ganz frisch‘ soll dazu auch moderner Tanz kommen. Wir hatten in dem Bereich schon zwei schöne Vorstellungen. Und wir machen weiter mit jungen Tänzern und Tänzerinnen, die auch schon ziemlich oft nach Deutschland gereist sind. Alle zwei Jahre gibt es ja in Düsseldorf eine ganz wichtige Tanzmesse. Zuletzt wurden Tschechen dort gleich zweimal in die Kategorie ‚Neue Talente‘ gewählt. Da steckt also viel Potential dahinter.“

Tschechisches Zentrum Berlin (Foto: Archiv des Tschechischen Zentrums Berlin)Tschechisches Zentrum Berlin (Foto: Archiv des Tschechischen Zentrums Berlin) Und weitere Themengebiete?

„Zu jenen Themen, die noch nicht so stark in den Tschechischen Zentren zu finden sind, gehört unter anderem ‚Wissenschaft‘. Zusammen mit dem Fonds Neuron in Tschechien, der junge Wissenschaftler finanziell unterstützt, habe ich eine neue Reihe namens Wissenschaftscafé gegründet. Hinzu kommt eventuell noch eine Reihe, die sich mit politischen und gesellschaftlichen Problemen beschäftigt. Unter dem Arbeitstitel ‚Europa morgen‘ wollen wir tschechische Intellektuelle einladen. Vielleicht kommt auch noch etwas Weiteres dazu. Allgemein kann ich sagen, dass die Programmreihen für mich Priorität haben und ich dies weiterverfolgen möchte.“