Kafka im Kino, zeitgenössische Bilder und die Lange Nacht der Musik

Was hat Kafka mit Kino zu tun? Wie gut verstehen sich deutsche und tschechische Gegenwartskünstler? Und wie tschechisch wird die Lange Nacht der Musik in München? Die Antworten darauf sucht das Tschechische Zentrum in der bayerischen Landeshauptstadt in seinem Programm für die kommenden Wochen. Mehr dazu in einem Gespräch mit dem Leiter des Zentrums, Ondřej Černý.

Foto: Verlag RowohltFoto: Verlag Rowohlt Herr Černý, im Filmmuseum München startet an diesem Donnerstag die Filmreihe „Kafka geht ins Kino“. Wie war die Beziehung von Franz Kafka zum Kino? Hat er sich für Filme interessiert?

„Ja, es war wirklich so. Kafka war ein leidenschaftlicher Kino-Besucher. Das hat unter anderem der Autor und Schauspieler Hanns Zischler für sein Buch ‚Kafka geht ins Kino‘ herausgefunden. Anhand von Tagebüchern, zahlreichen Aussagen und Briefen kam er zu dem Schluss, dass Franz Kafka das Kino liebte.“

Was wird bei der Filmreihe „Kafka geht ins Kino“ gezeigt? Sind es Verfilmungen seiner Werke, oder Streifen aus der Zeit Kafkas?

„Zu sehen sind Filme, die Kafka gesehen hat und die ihn beeinflusst haben. Der Name der Veranstaltung ist eben von dem Buch von Hanns Zischler inspiriert. Die wichtigste Vorführung dieser Reihe ist der Film von Jan Kříženecký aus dem Jahr 1908, er heißt ‚Straßenbahnfahrt durch Prag‘. Im Weltkontext kann man den Streifen als Pionierfilm bezeichnen. Der Direktor des Filmmuseums, Stefan Drößler, will Jan Kříženecký auch im nächsten Jahr zum Thema machen. Er hält ihn für eine der wichtigsten Persönlichkeiten des Films jener Zeit.“

Die Filmreihe findet im Filmmuseum München von diesem Donnerstag bis zum Sonntag statt. Nun aber zu Bildern, die sich nicht bewegen. „Aus der Stille heraus“ heißt eine Ausstellung in Rosenheim, die noch bis zum 28. April zu sehen ist. Ausgestellt werden Werke von Bohuslav Reynek, einem bedeutenden tschechischen Grafiker, Zeichner, Dichter, Übersetzer…

„Die Idee zur Ausstellung von einer Künstler-Gruppe aus Rosenheim. Sie haben ganz zufällig einen Film über Bohuslav Reynek gesehen und sich in seine Werke verliebt. Das war ungefähr vor einem Jahr. Dann haben sie Kontakt mit Veronika Reynková, der Enkelin des Künstlers, geknüpft und mehrere Male Tschechien besucht. So ist schließlich diese Ausstellung entstanden. Ich war bei der Vernissage, und es war ein starkes Erlebnis. Die Galerie ist klein, und hat sich eine spirituelle Atmosphäre bewahrt. Die Grafiken und Reproduktionen von Bohuslav Reynek passen sehr gut in den Raum. Die Ausstellung ist mittlerweile zu einer wichtigen Veranstaltung in der Stadt geworden.“

„Die Galerie ist klein, und hat sich eine spirituelle Atmosphäre bewahrt. Die Grafiken und Reproduktionen von Bohuslav Reynek passen sehr gut in den Raum.“

Soweit zu Bohuslav Reynek. Eine andere Ausstellung konzentriert auf Kunstwerke der tschechischen Gegenwartskünstler. Sie wird am 4. Mai im Tschechischen Zentrum in München eröffnet. Was erwartet die Besucher da?

„Wir machen im Tschechischen Zentrum selten Kunstausstellungen. Wenn wir uns schon dafür entscheiden, muss die Ausstellung in Kontakt mit der Münchner oder bayerischen Kunstszene stehen. Dieses Mal haben wir einem Angebot Nina Hedwic zugestimmt, der Kuratorin der Galerie Nová galerie in Prag. Es handelt sich um eine Ausstellung, in der zwei Generationen von tschechischen und deutschen Künstlern ihre Werke zeigen. Ich bin sehr froh, dass wir die Möglichkeit haben, die Werke von Martin Mainer hier zu haben. Er wird als eine der wichtigsten Persönlichkeiten der zeitgenössischen tschechischen Kunst geschätzt. Zudem bringt er die Werke seines Schülers, des Studenten Adam Kašpar, nach München. Dazu kommen noch zwei Studenten der Münchner Akademie der bildenden Künste, der Tscheche Jan Rybníček und der Deutsche Josef Köstlbacher. Und dabei sein wird auch ein Slowake, Samuel Paučo, der an der Akademie der bildenden Künste in Prag studiert.“

„Eine Ausstellung, in der zwei Generationen von tschechischen und deutschen Künstlern ihre Werke zeigen.“

Einmal im Jahr findet an über 100 Spielorten in München die sogenannte Lange Nach der Musik statt: In der Innenstadt werden dann Livekonzerte, Tanzdarbietungen, Kabarett und Führungen rund um das Thema Musik geboten. Das Tschechische Zentrum ist am 6. Mai auch dabei. Womit tragen Sie zum Programm der Nacht bei?

Emil Viklický (Foto: YouTube)Emil Viklický (Foto: YouTube) „Wir haben uns dieses Mal für Jazz entschieden. Auch deswegen, weil wir zusammen mit dem Polnischen Kulturzentrum im Haus sitzen, das ebenfalls eine Jazz-orientierte Veranstaltung macht. Ich bin sehr froh, dass wir im Tschechsichen Zentrum Emil Viklický (Piano, Anm. d. Red.), eine klassische Figur des tschechischen Jazz, und Petr Dvorský (Kontrabass, Anm. d. Red.) begrüßen können. Sie werden vier Stunden lang spielen, weil das Prinzip der Langen Nacht der Musik darin beruht, dass man von 20 Uhr bis Mitternacht spielt.“

Am 11. Mai wird im Tschechischen Zentrum ein Buch vorgestellt. Es heißt „Pilsen – Theresienstadt – Flossenbürg. Überlebensgeschichte eines tschechischen Intellektuellen“. Was für eine Geschichte wird in dem Buch geschildert? Die Namen der Städte deuten schon manches an…

„Den tschechischen Text zum ersten Mal ins Deutsche zu übertragen und in den Kontext der deutschen Erinnerungskultur zu bringen.“

„Dieses Buch ist wichtig für die Wahrnehmung von Holocaust- und Nazi-Zeit. Der Pilsner Historiker Fridolín Macháček hat es unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg geschrieben. Er war selbst in den Konzentrationslagern Terezín und Flossenbürg inhaftiert und hat das in Büchern verarbeitet. Die Herausgeber um Christa Schikkora haben sich nun entschieden, den tschechischen Text zum ersten Mal ins Deutsche zu übertragen und in den Kontext der deutschen Erinnerungskultur zu bringen. Wir veranstalten eine Buch-Präsentation in Zusammenarbeit mit dem Collegium Carolinum und der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg.“