Installationen zum Weltkrieg, Orgelmusik und Eunic-Präsidentschaft

Das Tschechische Zentrum in Wien vermittelt oder veranstaltet Kultur aus dem Nachbarland Österreichs. In den kommenden Wochen sind trotz Sommerpause zum Beispiel Ausstellungen zu sehen, außerdem gibt es noch einmal einen musikalischen Höhepunkt. Dazu ein Interview mit dem Direktor des Zentrums in Wien, Martin Krafl, der seit kurzem auch Chef von Eunic Österreich ist.

Ausstellung „Man spricht vom Krieg“ (Foto: Archiv des Tschechischen Zentrums Wien)Ausstellung „Man spricht vom Krieg“ (Foto: Archiv des Tschechischen Zentrums Wien) Herr Krafl, so langsam beginnt die Sommerpause. Bei Ihnen im Tschechischen Zentrum ist aber weiterhin einiges los. In unserem letzten Gespräch haben wir uns bereits über die Ausstellung „Man spricht vom Krieg“ unterhalten. Nun wurde sie eröffnet. War die ausstellende Künstlerin Eva Vones auch bei der Vernissage in der vergangenen Woche?

„Genau, sie war da und hat dort ihre Bilder vorgestellt. Beispielsweise zeigt sie das zweiteilige Gemälde ‚Ruhe vor dem Sturm‘. Auf diesem Bild ist die Fahrt des Erzherzogs Franz Ferdinand von Österreich-Este zum Attentat von Sarajevo in Acryl auf Leinwand zu sehen.“

Ausstellung „Man spricht vom Krieg“ (Foto: Archiv des Tschechischen Zentrums Wien)Ausstellung „Man spricht vom Krieg“ (Foto: Archiv des Tschechischen Zentrums Wien) Sie haben mittlerweile, denke ich, Zeit gehabt, durch die Ausstellung zu gehen. Welchen Eindruck macht die Schau auf Sie und was ist konkret dort zu sehen?

„Ich denke, nicht nur für mich persönlich ist es interessant, sondern auch für die Besucher der Ausstellung ist es spannend, dass man verschiedenste Kunstwerke angefangen sehen kann - von Malerei über Zeichnungen bis hin zu Skulpturen und Installationen. Der Titel des Projektes ‚Man spricht vom Krieg‘ verweist zum einen auf das Theaterstück von Carl Sternheim ‚1913‘, welches in Deutschland während des Kriegs verboten war. Zum anderen spiegelt der Name der Ausstellung auch die aktuellen Geschehnisse wider. Die beteiligten Künstler haben nach Parallelen zu unserer Gegenwart gesucht, deshalb spielten die rein kriegerischen Aspekte des Themas keine primäre Rolle. Vielmehr ging es den Kunstschaffenden darum, die instabile Grundstimmung auf die gesellschaftliche und politische Situation von heute zu übertragen. Diesen Aspekt finde ich spannend. Zu den für mich originellsten Arbeiten der Ausstellung zählt zum Beispiel die vierteilige Installation von Annette Venzlaff mit dem Titel ‚Felder der Ehre‘. Die Arbeit, unter anderem auf Stoff bestickt, enthält Propagandaparolen, wie ‚Heute gehört uns Deutschland und morgen England, Frankreich …‘ usw.; interessant ist jedoch auch die Eisen-Skulptur von Mirsad Herenda, es handelt es um einen mit Eisen überzogenen und vom Windböen und Regen gepeinigten Miniatur-Baum.“

Pavel Kohout (Foto: YouTube)Pavel Kohout (Foto: YouTube) Diese Ausstellung ist noch bis zum 11. September im Tschechischen Zentrum in der Wiener Herrengasse zu sehen. Über das Jahr der tschechischen Musik haben wir auch bereits gesprochen. Am Donnerstag kommender Woche tritt nun der Organist Pavel Kohout in Wien auf. Vielleicht können Sie den jungen Künstler unseren Hörern ein bisschen vorstellen…

„Gerne. Pavel Kohout gilt als einer der besten europäischen Organisten, er erhielt unter anderem im Jahr 2000 Gold beim weltweit größten internationalen Orgelwettbewerb in Tokyo, und ein Jahr später belegte er den zweiten Platz beim Wettbewerb in Kaliningrad. Kohout wurde 1976 geboren und besuchte das Prager Konservatorium sowie die Fakultät für musische Künste in Prag, dort promovierte er 2001. Während seines Stipendium-Aufenthalts in Amsterdam beschäftigte er sich mit historischen Interpretationen der Orgelmusik. Für das Wiener Konzert hat er Musik von Antonio Vivaldi, Johann Sebastian Bach, Johannes Brahms und Josef Klička vorbereitet.“

Wiener Peterskirche (Foto: Gryffindor, Wikimedia CC BY-SA 3.0)Wiener Peterskirche (Foto: Gryffindor, Wikimedia CC BY-SA 3.0) Wo wird das Konzert stattfinden?

„Das Konzert findet am 10. Juli 2014 um 20 Uhr in der wunderschönen Peterskirche im historischen Zentrum von Wien statt.“

Wir stehen, wie gesagt, vor der Sommerpause. Aber schon jetzt laufen natürlich die Planungen für den Herbst. Vielleicht können Sie für uns schon ein bisschen vorausschauen, was in der zweiten Hälfte dieses Jahres bei Ihnen stattfinden wird…

„Es wird wieder sehr viel sein. Unser Programm ist breit gefächert. Zum Beispiel ist ab 17. September 2014 eine einleitende Ausstellung mit dem Schwerpunkt auf Tschechien zur Werkschau der renommierten österreichischen Galerie Belvedere über die Künstlergruppe ‚Hagenbund‘ geplant. Des Weiteren wird das Tschechische Zentrum Wien traditionell am ‚Tag des Kaffees‘ am 1. Oktober 2014 teilnehmen. An diesem Tag werden sich die EU-Mitgliedstaaten in gemütlicher Kaffeehaus-Atmosphäre literarisch erkunden lassen. Anlässlich 100 Jahren Erster Weltkrieg lesen bekannte österreichische Schauspieler europäische Gegenwartsliteratur zum Thema Krieg und Frieden. Diese Veranstaltung wird von Eunic Austria veranstaltet. Geplant sind ebenso Beteiligungen an Wiener Groß-Events wie ‚Waves Vienna‘, dem Musikfestival für junges Publikum, mit einer Präsentation von Pilsen als Europäische Kulturhauptstadt 2015 und von tschechischen Designschaffenden bei der ‚Vienna Design Week‘.“

Treffen von Vertreter der EUNIC (Foto: Archiv des Tschechischen Zentrums Wien)Treffen von Vertreter der EUNIC (Foto: Archiv des Tschechischen Zentrums Wien) Außerdem kann ich Ihnen gratulieren: Sie sind im Juni zum neuen Chef von Eunic Austria gewählt worden. Wann übernehmen Sie diese Funktion?

„Ich habe bereits im Juni die Funktion des Präsidenten übernommen. Eunic bedeutet ‚European Union National Institutes for Culture’ und wurde 2006 ins Leben gerufen. Weltweit gibt es 93 Cluster, deren Mitglieder im Bereich Kunst, Sprache, Bildung, Wissenschaft sowie Entwicklung zusammenarbeiten. In Österreich besteht Eunic bereits seit 2007. Zu den Gründungsmitgliedern gehört auch das Tschechische Zentrum Wien. Insgesamt vereinigt Eunic Austria 30 Vertreter der in Wien angesiedelten Kulturinstitute sowie Kulturabteilungen von Botschaften der EU-Länder. Dieses Netzwerk ist ein Vorbild für kulturelle Zusammenarbeit in Europa und möchte die Rolle der Kultur erweitern. Hier in Österreich geht es auch darum, den interkulturellen Dialog mit Nicht-EU-Ländern zu stärken.“

Martin Krafl (Foto: Vojtěch Brtnický, Archiv der Tschechischen Zentren)Martin Krafl (Foto: Vojtěch Brtnický, Archiv der Tschechischen Zentren) Welche konkreten Pläne haben Sie als neuer Leiter von Eunic Österreich?

„Wir sind gerade dabei, einen Verein nach den Vorgaben des österreichischen Gesetzes zu gründen. Bisher waren wir ein Cluster mit der Zentrale in Brüssel. Im nächsten Jahr planen wir mehrere Veranstaltungen: Neben der traditionellen ‚Literarischen Nacht‘ am 1. Oktober möchten wir uns mehr im Bereich Theater und Design präsentieren.“