Aviso: CZ-Kultur grenzenlos „Eine informelle Plattform für Künstler“ – Pläne der neuen Leiterin des Tschechischen Zentrums Berlin
Das Tschechische Zentrum Berlin hat eine neue Leiterin – nach einer halbjährigen Pause hat Monika Štěpánová am 4. Januar offiziell die Leitung übernommen. Im Gespräch mit Radio Prag stellt sie einige Höhepunkte des laufenden Programms vor sowie ihre Pläne für die zukünftige Programmgestaltung.
Checkpoint Charlie und das Tschechische Zentrum Berlin
Frau Štěpánová, Sie waren früher am tschechischen Zentrum in Bukarest,
jetzt sind Sie die frische Leiterin in Berlin; Wir führen jetzt unser
erstes Interview nach Ihrem offiziellen Antritt als Direktorin. Wie waren
denn Ihre ersten zwei Wochen in Berlin?
„Also die ersten zwei Wochen waren unheimlich hektisch und ausgefüllt mit Arbeit und Veränderungen. Das heißt, es gab eigentlich keine Schonzeit, es ging direkt in die Arbeit rein. Und es war natürlich sehr aufregend, denn nun musste etwas, auf das man sich lange vorbereitet, was man sich lange im Kopf zurechtlegt, dann wirklich umgesetzt werden, das ist schon eine sehr spannende Zeit.“
Jetzt kommen Sie natürlich in den laufenden Betrieb: Am Montag lief schon
der Film „Zoufalci“, der auf Englisch „Dreamer“, also Träumer
genannt wird. Aber eigentlich ist die Übersetzung ja „Die
Verzweifelten“. Wie ist der Film beim deutschen, genauer gesagt beim
Berliner Publikum angekommen?
„Ich war sehr überrascht. Der Film lief in einem kleinen Kinosaal, er hatte etwa 60 Plätze und war ausverkauft, und darüber hinaus gab es viele Menschen, die nicht mehr in den Saal gekommen sind. Also es war ein großer Erfolg, es ist auch wirklich ein hervorragender Film. Und das alles dank meiner Kollegin Christina Frankenberg, die das Programm für Januar mehr oder weniger zusammengestellt hat und dabei eine wirklich gute Wahl getroffen hat. Mir hat es erstmal gezeigt, dass es hier ein Publikum und das Interesse für tschechische Themen gibt und dass hier auch eine Community lebt, im Publikum waren sehr viel Tschechisch zu hören, es waren sicher Tschechen, die in Berlin leben. Hinzu kommt, dass auch die Kino und die Veranstalter das Interesse haben, solche Veranstaltungen zu machen, weil es sich offensichtlich auch für sie lohnt.“
Zdeněk Primus
Die nächste Veranstaltung, die am 24.Januar stattfinden wird, ist eine
Lesung von Zdeněk Primus. Interessanterweise jemand, der auf Deutsch
schreibt und ein sehr ungewöhnliches Thema beschrieben hat – können Sie
dazu etwas sagen?
„Auch hier möchte ich anmerken, dass es ebenfalls eine von Frau Frankenberg organisierte Veranstaltung ist. Sie ist eine sehr erfahrene Kollegin – weshalb ich glaube, dass es auf jeden Fall ein sehr spannender Abend wird. Thematisch geht es um Vergangenheitsbewältigung, um Traumata; Es geht darum, wie man eigentlich mit Kriegserfahrungen lebt. Es geht um 5 Männer, die auf eine verlassene griechische Insel kommen – ich werde jetzt aber nicht zuviel sagen, denn ich finde, es ist wirklich ein Buch, das es wert ist, gelesen zu werden. Zdeněk Primus ist wirklich eine sehr interessante Persönlichkeit. Für uns ist er zunächst einmal natürlich der deutsch-tschechische Autor, aber er ist auch Kunsthistoriker, er war Professor an zwei Kunsthochschulen, an der FAMU und der Kunsthochschule in Prag, er hat in Hamburg und München studiert; Er ist auf jeden Fall eine Person, die schon durch ihre Lebensgeschichte sehr viele Perspektiven öffnet und ich bin schon sehr gespannt, wie diese Veranstaltung wird.“
Zdeněk Primus: Ich bin tot
Gibt es einen Grund, warum er auf Deutsch schreibt und nicht auf
Tschechisch?
„Er hat lange in Deutschland gelebt, er hat auch in Deutschland studiert, vielleicht ist ihm einfach ein bestimmtes Thema auf Deutsch näher. Vielleicht hat er einfach eine gewisse Zeit seines Lebens in Deutschland verbracht, in der er sich mit diesem Thema auseinandergesetzt hat, das er jetzt in seinem Buch behandelt. Das ist ja bei vielen Autoren so, die lange im Ausland leben, sie schreiben dann in der Sprache des Landes. So wie zum Beispiel Milan Kundera, der lange nicht mehr auf Tschechisch schreibt. Aber das ist sicherlich eine interessante Frage, die man Herrn Primus stellen kann.“
Sie haben ja jetzt gerade angefangen. In unserem ersten Interview und auch schon auf ihrer Homepage haben Sie gesagt, dass ihr Schwerpunkt die zeitgenössische Kunst sein soll. Was sind denn ihre Pläne für die nächste Zeit? Sind schon konkrete Projekte entstanden, oder ist noch alles in der Schwebe?
Monika Štěpánová
Ich würde sagen: „Halb-halb. Die Ideen stehen noch im Raum, aber sie
werden immer konkreter und irgendwann sind sie dann schwer genug, sodass
man sie nimmt und realisiert. Ich bin sehr beeindruckt, wie viele
interessante tschechische Künstler oder Personen aus dem künstlerischen,
kulturellen Bereich in Berlin leben. Eine meiner Ideen ist es, diese
Personen in die Aktivitäten des tschechischen Zentrums einzubeziehen. Wir
werden dann sehen, welche künstlerischen Räume schon funktionieren, was
hier passiert und wo schon Wege sind, auf denen die Kunst zwischen Prag und
Berlin zirkuliert und was wir daraus machen können. Wenn wir diese Wege
ermittelt haben und gesehen haben, dann werden wir uns auch überlegen, wie
wir weitere Künstler einladen, wie wir dieses Wege ausbauen können und
wie wir uns weiter beteiligen können. Natürlich ist es eine Möglichkeit
völlig unbekannte, neue Künstler von Tschechien nach Berlin zu bringen,
aber zunächst ist es wichtig, dass wir uns eine Gemeinde schaffen, eine
Community von Menschen, die sich für Kunst interessieren. Leute, die nicht
nur kommen, weil eine Veranstaltung im Tschechische Zentrum stattfindet,
sondern weil sie der Inhalt interessiert, weil sie sich für die Kunst
interessieren. Nicht weil es tschechische Kunst ist, sondern weil es gute
zeitgenössische Kunst ist.“
Berlin (Foto: Casp, Creative Commons 3.0)
Gibt es ein informelles Netzwerk von Tschechen in Berlin, oder
tschechischen Künstlern, über die man solche Kontakte knüpft, oder ist
es gerade das Ziel, so etwas aufzubauen?
„Von einem Künstlernetzwerk weiß ich nichts. Es gibt aber einige Persönlichkeiten, die Künstler an sich binden, die mit ihnen in Kontakt sind. Wir würden gerne so ein informelles Netzwerk schaffen. Also, nichts mit Adressen und Verteilern, sondern einfach eine Plattform, zu der diese Künstler mit ihren deutschen oder internationalen Freunden kommen können und wissen, dass wir sie gerne unterstützen, wenn sie etwas in Berlin machen möchten. Sei es mit PR, mit technischer Hilfe, den Räumlichkeiten, oder einer Unterkunft. Auf diese Weise entsteht dann hoffentlich irgendwann ganz zwanglos eine informelle Gemeinschaft. Eine informelle, lose, freundliche Gruppe von Künstlern und kunstorientierten Menschen.“







