Bald in Wien: Buchmesse, Video-Installation, Havel-Film

Eine Buchmesse mit tschechischer Beteiligung, ein biographischer Dokumentarfilm über Václav Havel sowie eine Installation aktueller Video-Arbeiten und Fotografien aus dem Programm Artist in Residence: Dies alles wartet im November in Wien auf die Freunde der tschechischen Kultur. Mehr dazu nun im folgenden Gespräch mit dem Leiter des Tschechischen Zentrums in der österreichischen Hauptstadt, Martin Krafl. Außerdem laden wir Sie zu einem Konzert nach Graz ein.

Buch Wien (Foto: Libor Galia, Archiv des Tschechischen Zentrums Wien)Buch Wien (Foto: Libor Galia, Archiv des Tschechischen Zentrums Wien) Herr Krafl, am kommenden Mittwoch startet in der österreichischen Hauptstadt das BUCH WIEN. Dabei handelt es sich um eine Buchmesse und Lesefestwoche. Wie ist die Tschechische Republik dabei vertreten? Plant Tschechien einen Stand auf dem Messegelände? Kommen auch tschechische Autoren, um in Wien zu lesen?

„Bei Österreichs größtem Bücher-Event wird die Tschechische Republik dieses Jahr mit zwei Autoren sowie einem Stand mit Gegenwartsliteratur vertreten sein. Den Stand des Tschechischen Zentrums Wien findet man unter der Nummer IA13, und die Besucher erwartet dort die aktuellste tschechische Gegenwartsliteratur in Original und deutscher Übersetzung.“

Es bleibt nicht nur bei diesem Stand. Welche Schriftsteller kommen persönlich nach Wien, um dort ihre Bücher zu präsentieren?

„Das Buch wurde als schönstes tschechisches Buch des Jahres 2015 ausgezeichnet und erhielt auch den Preis Zlatá stuha 2015.“

„Nach Wien kommen zwei tschechische Autoren, Jiří Dvořák und Josef Formánek. Jiří Dvořák tritt auf der Buchmesse Wien am Donnerstag, den 10. November, auf. Er wird für Kinder aus seinem Buch ‚Wie die Tiere schlafen‘ lesen. In seinen Texten beschreibt Jiří Dvořák, wie die Tiere aussehen, was sie tun, was sie brauchen oder woran sie im Schlaf denken. Das Buch wurde als schönstes tschechisches Buch des Jahres 2015 ausgezeichnet und erhielt auch den Preis Zlatá stuha 2015. Jiří Dvořák ist Autor einer Reihe von Leporellos für die kleinsten Leser. Außerdem hat er die mit vielen Preisen bedachte Bücher ‚Zpátky do Afriky‘ und ‚Havětník‘ veröffentlicht.“

Und der zweite Autor?

Foto: Verlag GekkoFoto: Verlag Gekko „Dies ist Josef Formánek, er wird am Samstag, 12. November lesen, und zwar aus seinem Roman ‚Die Wahrheit sagen‘. Josef Formánek erzählt von dem fast unglaublichen Leben der Figur Bernhard Mares nach realem Vorbild: Wiener Waisenkind, in Tschechien aufgewachsen, auf der Suche nach einer ‚Familie‘ in der SS gelandet, die große Liebe gefunden und immer wieder verloren, bei den Kommunisten angedockt, mehrmals knapp am Tod vorbeigeschrammt und zigmal im Gefängnis gestrandet. Zu der Lesung wird der Marionettenspieler Miroslav Nebeský eigens für den Roman angefertigte Figuren bewegen. Josef Formánek zählt zu den bekanntesten Autoren in Tschechien. Er hat 1992 die beliebte Reisezeitschrift ‚Koktejl‘ gegründet, und das Reisen beeinflusst auch stark sein literarisches Schaffen.“

Das wäre also ausführlich zur Literatur und zum tschechischen Auftritt bei der Buchmesse in Wien. Dort, im Theatermuseum findet derzeit auch eine Václav-Havel-Ausstellung statt. Sie ist einer der Schwerpunkte im Herbstprogramm des Tschechischen Zentrums. Im Rahmen des Begleitprogramms dazu wird bald ein Film gezeigt. Worum handelt es sich dabei?

„Mittels Václav Havels Leben soll nicht historisches Geschehen dargestellt werden, sondern ein Filmporträt entstehen.“

„Es ist der Dokumentarfilm der Regisseurin Andrea Sedláčková ‚Život podle Václava Havla‘. Grundlage des Filmes waren über 600 Stunden umfassendes Filmmaterial, Hunderte Fotografien und persönliche Dokumente. Die Erzählerrolle nimmt Václav Havel ein, es kommen keine Zeitzeugen oder Historiker zu Wort. Mittels Václav Havels Leben soll nicht historisches Geschehen dargestellt werden, sondern ein Filmporträt entstehen. Wie Václav Havel im Film selbst anmerkt: ‚Es handelt sich um eine einzelne Geschichte, die Züge von Absurdität, Märchen, Tragödie und Komödie hat.‘ Die Österreicher können diesen Film am 14. November um 19,30 Uhr im Kinosaal der Tschechischen Botschaft in Wien sehen. Außerdem planen wir als Begleitprogramm zu der Ausstellung ‚Seine Freiheit – unsere Freiheit. Václav Havel und das Burgtheater‘ zwei kuratorische Führungen im Theatermuseum. Die erste findet am 10. November um 15 Uhr statt. Sie wird anschließend mit Kaffee und Kuchen fortgesetzt, wobei Katharina Scholz-Manker und Ernst Tauchner aus Havels Einakter ‚Protest‘ lesen werden. Die zweite Expertenführung mit der Kuratorin der Ausstellung, Anna Freimannová, findet am 7. Dezember um 16 Uhr statt.“

„Flexible Spezialisierung“ (Foto: Archiv des Tschechischen Zentrums Wien)„Flexible Spezialisierung“ (Foto: Archiv des Tschechischen Zentrums Wien) Direkt im Tschechischen Zentrum in der Herrengasse, und zwar in der Windows Gallery, werden ab 22. November Video-Arbeiten und Fotografien von Daniela und Linda Dostálková gezeigt, und zwar unter dem Titel „Flexible Spezialisierung“. Worauf deutet dieser Titel hin?

„Es handelt sich um aktuelle künstlerische Mitteilungen, die sich auf die Actor Network Theory des französischen Soziologen Bruno Latour beziehen. Die Künstlerin Daniela Dostálková lebt und arbeitet in Prag. Bis 2006 studierte sie am Institut für Fotografie der der Purkynĕ-Universität in Ústí nad Labem. Über das von Kulturkontakt Austria gemeinsam mit dem Bundeskanzleramt Österreich durchgeführte Artist-in-Residence-Programm hat Daniela Dostálková dieses Jahr drei Monate lang in Wien gearbeitet. Die dabei entstandene Installation in der Windows Gallery hat sie gemeinsam mit ihrer Schwester Linda Dostálková gefertigt.“

Terezie Fialová (Foto: YouTube)Terezie Fialová (Foto: YouTube) Abschließend noch ein Programmtipp außerhalb von Wien. Die Pianistin Terezie Fialová gibt am 23. November ein Konzert in Graz. Können Sie diese Musikerin vorstellen? Was wird sie in Graz spielen?

„Terezie Fialová gehört zu den bedeutendsten jungen tschechischen Pianistinnen. Sie hat an der Akademie der musischen Künste in Prag und der Hochschule für Musik und Theater in Hamburg studiert. Als bisher einzige tschechische Pianistin nahm sie an der berühmten Verbier Festival Academy 2013 in der Schweiz teil. Ihr Konzert findet im Rahmen einer Konzertreihe mit jungen Talenten der tschechischen klassischen Musik statt, und zwar am 23. November im Großen Minoritensaal in Graz. Terezie Fialová wird dort Werke von Leoš Janáček, Antonín Dvořák, Domenico Scarlatti und Johann Sebastian Bach spielen.“