Anno dazumal Maler Jan Slavíček fordert 1937 junge Künstler zur Wahrhaftigkeit auf
Bekannt geworden ist er vor allem durch die Prag-Bilder, die er in seinem Atelier auf dem Hradschin nahe der Prager Burg malte: Wir sprechen über Jan Slavíček, der aus einer bekannten Künstlerfamilie stammte und in seinen Gemälden das Werk seines Vaters Antonín fortsetzte. Am 22. Januar wäre Jan Slavíček 110 Jahre alt geworden. Im Rundfunkarchiv lagert eine Ansprache des Malers, in der er sich vor allem an die jungen Künstler wandte.
Jan Slavíček
Jan Slavíček gehört zu den bekanntesten tschechischen Malern des 20.
Jahrhunderts. Er studierte an der Prager Kunstakademie. 1922 wurde er
Mitglied des Künstlervereins „Mánes“. Slavíček unternahm viele
Studienreisen, vor allem nach Frankreich. Beeinflusst wurde er durch
Persönlichkeiten wie Henri Matisse oder Pablo Picasso. Er konzentrierte
sich vor allem auf Stillleben und Landschaftsbilder. Neben Prag als einer
ewigen Inspiration suchte er in Böhmen nach Motiven im Adlergebirge /
Orlické hory - in der Region, die er in seiner Kindheit oft besucht hatte.
Im Jahre 1937 wandte sich der Maler in einer Rundfunkansprache an junge Künstler. Darin hat er ihnen einige Ratschläge gegeben:
Hradschin im Winter
„Ihr, Maler, betrachtet die Wirklichkeit aus der Tiefe. Alle großen
Maler testen den Raum. In der Tiefe der Betrachtung besteht deren Stärke.
Übt ständig, unermüdlich, ohne euch auszuruhen. Ihr müsst das Handwerk
vollkommen beherrschen. Die Kunst ist nur ein Gefühl. Aber ohne die
Körper, das Maß und die Farben zu kennen, ohne geschickte Hände wird
auch die lebendigste Emotion wie lahm gelegt.“
Jan Slavíček warnt die Maler davor, sich nur auf die Inspiration zu verlassen. Er empfiehlt ihnen, geduldig zu sein und betont:
„Die einzigen Werte des Künstlers sind Weisheit, Aufmerksamkeit,
Aufrichtigkeit und der Wille. Arbeitet an eurem Werk wie solide Arbeiter.
Seid wahrhafte junge Menschen. Dies bedeutet jedoch nicht, trivial präzise
zu sein. Alle eure Farben und Formen sollen Gefühle übermitteln. Ein
Künstler, der sich mit einem Werk begnügt, das nichts anderes als Betrug
ist und wertlose Details sklavisch wiedergibt, wird nie ein Meister sein.
Scheut euch vor so einem Krempel!“
Die Künstler sollen, wie Slavíček weiter betont, tief und wild
wahrhaftig sein. Sie dürfen jedoch dem Maler zufolge nicht zögern, ihre
Gefühle zum Ausdruck zu bringen:
„Es kann sein, dass ihr am Anfang nicht gleich verstanden werdet. Aber eure Vereinsamung wird nicht lange dauern. Bald findet ihr Freunde!“
So schloss Maler Jan Slavíček 1937 seine Ratschläge für die Nachwuchskünstler.






