Anno dazumal Grüße aus der Ferne – Auslandslehrer Sládek berichtet über Tschechen im Banat

25-08-2009 18:07 | Christian Rühmkorf

Vor 185 Jahren waren die ersten tschechischen Siedler aus Mittelböhmen ins kaum besiedelte rumänische Banat gekommen, in der Hoffnung auf ein besseres Leben. Auf diese Weise hatten sich dort fast 10.000 Tschechen zu Beginn des 19. Jahrhunderts angesiedelt. Bohumil Sládek war im Jahre 1939 als Lehrer zu den Auslandstschechen geschickt worden. Er berichtet im Tschechoslowakischen Rundfunk über die starken und lebendigen tschechischen Wurzeln der Auswanderer.

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BanatBanat „Sie haben sich nicht aufgelöst im Meer der Völker. In keiner einzigen Familie haben sie ihre Nationalität aufgegeben, obwohl viele auch für ihr nationales Bewusstsein leiden mussten.“

August 1939. Die Nationen Europas befinden sich in größter Anspannung. Im Tschechoslowakischen Rundfunk spricht der Lehrer Bohumil Sládek über Tschechen, die im rumänischen Banat an der Donau leben. Sozusagen ein Außenposten der tschechischen Nation. In den 20er Jahren des 19. Jahrhunderts waren etwa 9000 Tschechen ins Banat ausgewandert auf der Suche nach einem besseren Leben. Die Habsburger hatten ihnen Privilegien geboten wie die Befreiung vom 14-jährigen Wehrdienst und von Steuern. Aber das Leben fern der Heimat war hart.

„Seit den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts begannen tschechische Familien die Hügel des Banats an den Ufern der Donau zu kolonisieren. Bis heute sind ihr Los harte Arbeit und ein Leben in Armut. In diesen 120 Jahren der Entbehrung und Unterdrückung ist heute in Svatá Helena schon die dritte Generation herangewachsen, die Böhmen nie gesehen hat.“

Svatá HelenaSvatá Helena Svatá Helena war der Ort, in dem Bohumil Sládek unterrichtete. Er war einer der Lehrer, die von der tschechoslowakischen Regierung regelmäßig zu den Auslandstschechen geschickt wurden. Dort unterrichteten sie tschechische Sprache und Kultur und waren auf diese Weise eine Brücke zwischen der alten Heimat und den Auswanderern. Nationale Identität galt es auch im Ausland zu erhalten. Das war in den 1930er Jahren nicht nur in Deutschland, sondern auch in der Tschechoslowakei eine Selbstverständlichkeit. Die Anwesenheit der Lehrer aus der Heimat sei zwar wichtig. Das Hauptverdienst für die Erziehung im tschechischen Geiste gehöre jedoch den „guten tschechischen Müttern von Svatá Helena“, berichtet Sládek auf seinem Heimaturlaub.

„Von ihnen haben die Kinder das reine und saubere Tschechisch gelernt. Durch sie haben die Kinder Gott kennen gelernt, die Nation und das tschechische Vaterland. In diesen lieben Kindergesichtern wachsen uns neue, starke Angehörige der tschechischen Nation jenseits der Staatsgrenzen heran und dies dank ihrer gebildeten Mütter, die ihnen schon von Kindesbeinen an die wahrhafte tschechische Aufrichtigkeit, Beständigkeit, Verantwortlichkeit und Arbeit beibringen.“

Heute gibt es im Banat nur noch sechs kleine tschechische Dörfer. Seit den politischen Umbrüchen zu Beginn der 1990er Jahre hat die tschechische Gemeinde mit der Abwanderung der jüngeren Generation zu kämpfen. Was ihnen fehlt, ist Arbeit. Und so werden die banater Tschechen, die noch immer ihre Nationalität hochhalten, immer weniger.

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