Anno dazumal Grüße aus der Ferne – Auslandslehrer Sládek berichtet über Tschechen im Banat
Vor 185 Jahren waren die ersten tschechischen Siedler aus Mittelböhmen ins kaum besiedelte rumänische Banat gekommen, in der Hoffnung auf ein besseres Leben. Auf diese Weise hatten sich dort fast 10.000 Tschechen zu Beginn des 19. Jahrhunderts angesiedelt. Bohumil Sládek war im Jahre 1939 als Lehrer zu den Auslandstschechen geschickt worden. Er berichtet im Tschechoslowakischen Rundfunk über die starken und lebendigen tschechischen Wurzeln der Auswanderer.
Banat
„Sie haben sich nicht aufgelöst im Meer der Völker. In keiner
einzigen
Familie haben sie ihre Nationalität aufgegeben, obwohl viele auch für
ihr
nationales Bewusstsein leiden mussten.“
August 1939. Die Nationen Europas befinden sich in größter Anspannung. Im Tschechoslowakischen Rundfunk spricht der Lehrer Bohumil Sládek über Tschechen, die im rumänischen Banat an der Donau leben. Sozusagen ein Außenposten der tschechischen Nation. In den 20er Jahren des 19. Jahrhunderts waren etwa 9000 Tschechen ins Banat ausgewandert auf der Suche nach einem besseren Leben. Die Habsburger hatten ihnen Privilegien geboten wie die Befreiung vom 14-jährigen Wehrdienst und von Steuern. Aber das Leben fern der Heimat war hart.
„Seit den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts begannen tschechische Familien die Hügel des Banats an den Ufern der Donau zu kolonisieren. Bis heute sind ihr Los harte Arbeit und ein Leben in Armut. In diesen 120 Jahren der Entbehrung und Unterdrückung ist heute in Svatá Helena schon die dritte Generation herangewachsen, die Böhmen nie gesehen hat.“
Svatá Helena
Svatá Helena war der Ort, in dem Bohumil Sládek unterrichtete. Er war
einer der Lehrer, die von der tschechoslowakischen Regierung regelmäßig
zu den Auslandstschechen geschickt wurden. Dort unterrichteten sie
tschechische Sprache und Kultur und waren auf diese Weise eine Brücke
zwischen der alten Heimat und den Auswanderern. Nationale Identität galt
es auch im Ausland zu erhalten. Das war in den 1930er Jahren nicht nur in
Deutschland, sondern auch in der Tschechoslowakei eine
Selbstverständlichkeit. Die Anwesenheit der Lehrer aus der Heimat sei
zwar
wichtig. Das Hauptverdienst für die Erziehung im tschechischen Geiste
gehöre jedoch den „guten tschechischen Müttern von Svatá
Helena“,
berichtet Sládek auf seinem Heimaturlaub.
„Von ihnen haben die Kinder das reine und saubere Tschechisch gelernt. Durch sie haben die Kinder Gott kennen gelernt, die Nation und das tschechische Vaterland. In diesen lieben Kindergesichtern wachsen uns neue, starke Angehörige der tschechischen Nation jenseits der Staatsgrenzen heran und dies dank ihrer gebildeten Mütter, die ihnen schon von Kindesbeinen an die wahrhafte tschechische Aufrichtigkeit, Beständigkeit, Verantwortlichkeit und Arbeit beibringen.“
Heute gibt es im Banat nur noch sechs kleine tschechische Dörfer. Seit den politischen Umbrüchen zu Beginn der 1990er Jahre hat die tschechische Gemeinde mit der Abwanderung der jüngeren Generation zu kämpfen. Was ihnen fehlt, ist Arbeit. Und so werden die banater Tschechen, die noch immer ihre Nationalität hochhalten, immer weniger.





