Anno dazumal Ein unbequemer Wassermann: der Opernsänger Eduard Haken
Ein halbes Jahrhundert lang hat er auf der Opernbühne des Prager Nationaltheaters gewirkt. Während dieser Zeit ist er zur Legende geworden: der Bass Eduard Haken. Am 22. März hätte der tschechische Opernsänger seinen 100. Geburtstag begangen.
Für viele tschechische Opernfans bleibt er der unvergessliche „Vodník“ (Wassermann) aus Antonín Dvořáks Oper Rusalka, auch wenn er während seiner langen Opernkarriere zahlreiche andere Bassrollen im Repertoire hatte. Eduard Haken hatte eine ungewöhnlich dunkle Stimme, die zweieinhalb Oktaven umfasste. Das Publikum wusste aber nicht nur sein musikalisches Können, sondern auch seine präzise Diktion hoch zu schätzen. Denn im Unterschied zu vielen anderen Opernsängern, konnte man bei Haken jedes Wort, das er sang, gut verstehen. Nicht alle Opernfans ahnen jedoch, dass Eduard Haken ursprünglich Arzt werden wollte, auch wenn er Musik von der Kindheit an geliebt hatte. In einem Gespräch für den Tschechischen Rundfunk im Jahr 1976 erinnerte sich der damals 66-jährige Opernsänger:
Eduard Haken (Foto: ČTK)
„Der Gesang und die Musik sind meine größte Liebe gewesen. Meinem
Vater
habe ich gesagt, dass ich im Theater singen möchte. Dies lehnte mein
Vater
strikt ab und entschied, dass ich entweder Medizin oder Technik studieren
sollte. Was der Vater sagte, war heilig“, erzählte Eduard
Haken.
Vier Jahre lang studierte Haken Medizin an der Prager Karlsuniversität. Gesang studierte er auch, jedoch nur privat. Als das Opernensemble des Nationaltheaters 1936 neue Chormitglieder suchte, meldete Hakens Musikprofessor seinen Schüler zum Vorsingen an. Haken wollte zwar nicht im Chor singen, wollte aber seinem Lehrer Freude machen und so nahm er an dem Vorsingen teil.
"Als ich etwas vorgesungen habe, hat Professor Talich meine Stimme
sehr
gelobt, vor allem die Stimmfarbe. Eine solche Stimme wäre zu schade für
den Chor, sagte mir Dirigent Václav Talich. Er bot mir eine Elevenstelle
an.
Das Medizinstudium habe ich abgebrochen und bin zum Opernsänger
geworden",
erinnert sich Haken in dem Rundfunkinterview.
Foto: ČTK
Nach einer kurzen Zwischenstation im Theater in Olomouc/Olmütz kehrte
Eduard
Haken im Jahr 1941 nach Prag zurück. Im Nationaltheater sang er im
Verlauf von
50 Jahren an die 70 Opernrollen gesungen. Er sang aber oft auch in
Kirchen und bei Konzerten. Wegen seiner politischen Ansichten hatte es
Haken während des kommunistischen Regimes nicht einfach. Die Kommunisten
duldeten ihn, weil ihn in den bekanntesten Bassrollen kaum jemand
ersetzen konnte. Seine geliebten Biblischen Lieder von Antonín Dvořák
durfte Haken jedoch erst im hohen Alter auf CD aufnehmen. Sehr
unbeliebt bei den damaligen Machthabern soll sich Eduard Haken auch durch
seine konsequente Weigerung gemacht haben, das damals allgegenwärtige
Wort
„soudruh“ („Genosse“) auszusprechen. Deshalb durfte Opernsänger
Haken auch nicht im Ausland singen. Haken starb am 12. Januar 1996 im
Alter von 85 Jahren.





