Anno dazumal BBC-Programm für das so genannte Protektorat Böhmen und Mähren: Trauerveranstaltung für die Opfer von Lidice
In der Nacht vom 9. auf den 10. Juni 1942 haben deutsche Polizeikräfte unter dem Kommando von SS-Offizieren die mittelböhmische Gemeinde Lidice dem Erdboden gleichgemacht. Als „Vergeltungsmaßnahme“ für das Attentat auf den stellvertretenden Reichsprotektor Reinhard Heydrich wurden alle Männer im Alter über 15 Jahre sofort erschossen, die Frauen in das KZ Ravensbrück deportiert. Die Kinder wurden ins polnische Lodz verschleppt und bis auf wenige Ausnahmen vergast. Wenige Tage nach dem 10. Juni fand im britischen Coventry eine Trauerstunde für die Opfer der Tragödie von Lidice statt.
Im Gebäude des tschechischen Außenministeriums hat man vor ungefähr zwei
Jahren mehrere Kisten mit alten Schallplatten gefunden. Wie sich später
zeigte, wurden sie dort seit 1945 gelagert. Nach 63 Jahren haben sie ihr
Domizil gewechselt. Rund 70 Schallplatten mit Einspielungen von
tschechischsprachigen Radioprogrammen, die während des Krieges vom
britischen Sender BBC für das so genannte Protektorat Böhmen und Mähren
auf Kurzwelle ausgestrahlt wurden, gehören seit 2008 zum Fundus unseres
Rundfunksarchivs und werden nach und nach restauriert.
Die BBC-Programme reflektierten zum Teil auch die Ereignisse im Protektorat. Eines davon berichtete über die Trauerveranstaltung, die an einem typisch nebligen Morgen - so der Moderator - in Coventry stattfand. Zugegen waren auch der tschechoslowakische Präsident Edvard Beneš und Mitglieder der Exilregierung:
Kathedrale in Coventry nach der Luftbombardierung
Der Moderator erinnert daran, das Coventry durch das Bombardement der
deutschen Luftwaffe die schwersten Schäden im ganzen Land erlitten habe
und daher auch für das Leiden anderer Städte und Dörfer sensibiliert
sei. Die Bewohner von Coventry – so der Kommentar des Moderators -
hätten bei dieser Gelegenheit versprochen, beim Wideraufbau von Lidice zu
helfen. An den Ruinen der zerstörten Kathedrale von Coventry betete der
Bischof für das „tschechoslowakische Volk“. Zu hören gab es außerdem
einen Hussitenchoral, gesungen vom tschechoslowakischen Militärkorps.
Nach dem Gottesdienst marschierten Militäreinheiten durch die Straßen von Coventry, geschmückt mit tschechoslowakischen Flaggen: Angehörige der Luftschutzlandwehr, die im November 1940 ihre Stadt mit Einsatz aller ihrer Kräfte vor dem deutschen Bombenangriff verteidigten, US-Soldaten, Angehörige der Landwehr der königlichen Marine, Luftstreitkräfte und Armee. Anschließend hielt Präsident Beneš eine Rede im Stadttheater:
Deutsche Polizeikräfte haben die Gemeinde Lidice dem Erdboden gleichgemacht
Er sprach von der Freundschaft, die das tschechoslowakische Volk mit den
Bürgern von Coventry und der Region Warwickshire verbindet, in der
tschechoslowakische Einheiten monatelang übten. Er sei als Bote der
ermordeten Bewohner von Lidice nach Coventry gekommen, so Beneš, um in
ihrem Namen dem heldenhaften Coventry die Ehre zu erweisen. Es nähere sich
der Augenblick, in dem das tschechoslowakische und das britische Volk
gemeinsam das Leiden der Bewohner von Coventry und Lidice rächen würden.
Seine Worte haben viel Applaus geerntet.







