Tagesecho Opernstar aus dem kleinen Inselland: Joseph Calleja
"Jahrelang warten wir auf einen neuen Tenor - und plötzlich haben wir gleich zwei da: Rolando Villazon und Joseph Calleja." Dies kann man in der internationalen Rezensionsdatenbank "Gramofile" lesen. Der zuerst genannte Rolando Villazon wird sich im Februar dieses Jahres bereits zum zweiten Mal mit einem Konzert in Prag vorstellen. Der maltesische Tenor Joseph Calleja singt am Mittwoch zum ersten Mal in der tschechischen Haupstadt.
Joseph Calleja (Foto: Autorin)
Der 29-jährige maltesische Tenor Joseph Calleja gehört zu den neuesten
Entdeckungen der renommierten Opernhäuser. Seine Karriere startete er mit
19 Jahren, als er Macduff in Verdis Macbeth in seiner Heimat Malta sang.
In den nächsten Jahren siegte er in einigen internationalen Wettbewerben
und nahm seine erste CD für die Firma Decca auf. Seitdem wird Calleja,
dessen Stimme die Kritiker mit Caruso vergleichen, vom Opernpublikum in
allen Musikmetropolen der Welt gefeiert. In der Metropolitan Opera in New
York debütierte er voriges Jahr in Verdis Rigoletto.
Dirigent Karel Mark Chichon (Foto: Autorin)
Beim Konzert im Prager Repräsentationshaus wird Calleja am Mittwoch Arien
aus Opern von Giuseppe Verdi, Jules Massenet, Gaetano Donizetti, Charles
Gounod und Ruggiero Leoncavallo singen. Das Orchester der Prager
Symphoniker wird unter der Leitung des britischen Dirigenten Karel Mark
Chichon spielen. Der Tenor sprach sich lobend über diese Zusammenarbeit
aus. In Tschechien singt er jedoch nicht zum ersten Mal. Vor etwa vier
Jahren nahm er am Ema Destinnova-Musikfestival in Ceske Budejovice teil.
An dieses Konzert erinnere er sich, so der Sänger auf der Pressekonferenz,
sehr gut:
"Ich bin eigentlich immer noch Anfänger, aber damals stand ich noch mehr am Anfang. Ich erinnere mich an das tschechische Publikum, das mich sehr herzlich aufgenommen hat. In Prag bin ich nicht zum ersten Mal, denn ich habe diese schöne Stadt schon einige Male besucht. 1991 war ich hier, und das war meine zweite Auslandsreise überhaupt. Schon damals haben mich die Leute hier und die tschechische Kultur bezaubert. Ich glaube, dass die Tschechen etwas mit den Maltesern gemeinsam haben, und zwar dass sie es verstehen das Leben wirklich zu genießen."
Der Tenor räumte ein, dass er tschechische Musik liebt, aber dass er bisher keine der tschechischen Opern einstudiert hat. Denn - wie er sagte - will er nur in Sprachen singen, die er beherrscht, und Tschechisch gehöre, so der Sänger, leider bisher nicht dazu. Trotzdem stimmte er den Anfang der Arie des Prinzen aus Dvoraks Rusalka vor den Journalisten an.
Joseph Calleja hält es in der internationalen Konkurrenz für einen Vorteil, aus dem kleinen Inselland zu stammen. Denn wenn über einen Tenor aus Malta die Rede ist, dann stellt sich eben jeder nur den Calleja vor.