Tagesecho Forum 2000 - Suche nach Antworten auf globale Fragen
Die politische und gesellschaftliche Szene in Tschechien ist leicht zu überschauen. Allzu leicht, meinen manche Beobachter und kritisieren die Provinzialität, die mit der geringen Größe einhergeht. Mindestens einmal im Jahr jedoch wird Prag zum Treffpunkt einer internationalen Elite aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Während der Konferenz "Forum 2000", die von dem früheren tschechischen Präsidenten Vaclav Havel und Friedensnobelpreisträger Elie Wiesel ins Leben gerufen wurde. Silja Schultheis hat sich beim diesjährigen zehnten Jahrgang der Konferenz unter die illustren Gäste gemischt.
Boutrus Boutrus- Ghali (links) mit Prinz El Hassan bin Talal (Foto: CTK)
Dalai Lama, Butros Ghali, Andre Glucksman, Bronislaw Geremek - sie alle
waren, neben vielen anderen bekannten Namen, unter den Teilnehmern des
diesjährigen "Forums 2000" vertreten. Einer Veranstaltung, die
zunehmend auch in der tschechischen Öffentlichkeit Beachtung findet,
beobachtet Jakub Klepal von der veranstaltenden Stiftung Forum 2000:
"Wir mussten in diesem Jahr leider vielen Menschen absagen, die sich gern die Diskussionen des Forums angehört hätten, weil die Veranstaltungsräume schon überfüllt waren. Das Interesse der Öffentlichkeit ist sehr groß und wächst stetig. Auch die Medien interessieren sich zunehmend für die Konferenz, die Menschen sprechen davon und für immer mehr Tschechen wird das "Forum 2000" zum Begriff."
Forum 2000 (Foto: CTK)
Meditative Klänge im Prager Zofin Palast, dem diesjährigen
Veranstaltungsort des "Forums 2000". Auf dem Podium sitzen
Vertreter fast aller Konfessionen und diskutieren über die Rolle der
Religion in der heutigen Welt. Wird sie zunehmend zum Auslöser für globale
Konflikte oder kann sie umgekehrt zu ihrer Lösung beitragen? Professor
Tomas Halik von der Prager Karlsuniversität glaubt, dass Religion zur
besseren Orientierung in einer zunehmend komplexen Welt dienen kann. Und
dass sich die Weltreligionen in den entscheidenden Fragen gar nicht so
fremd sind:
Dalai Lama mit Tomas Halik (Foto: CTK)
"Die grundlegenden moralischen Forderungen der großen Religionen sind
im Wesentlichen ähnlich. Unterschiedlich sind hingegen die philosophischen
Vorstellungen über Gott, die Menschen und die Welt. Diese hängen vom
jeweiligen kulturellen Hintergrund des jeweiligen Volkes ab. Für den
religiösen Dialog ist es wichtig, die anderen Religionen besser kennen
zu lernen, sich persönlich zu treffen - wie jetzt auf dieser Veranstaltung
- und auch gemeinsam zu meditieren und zu schweigen vor diesem großen
Geheimnis, das nicht in Worte zu fassen ist."
Auch im nächsten Jahr hoffen die Veranstalter auf eine Fortsetzung des Forums. Denn die entscheidenden inhaltlichen Fragen, mit denen sich die Konferenz beschäftigt, seien noch längst nicht gelöst, sagt Jakub Klepal:
"Das Forum sucht immer wieder Antworten auf dieselben Fragen: Im Grunde bemühen sich die Diskutanten jedes Jahr erneut herauszufinden, warum die Menschheit nicht in der Lage ist, bestimmte Probleme zu lösen, die sie bereits erkannt und analysiert hat."