Tagesecho Jan Kotera - Aufbruch in die tschechische Moderne (Ausstellung im Architekturzentrum Wien)
"Zweck, Konstruktion und Ort sind also die treibenden Kräfte - die Form deren Auswirkung." Mit diesen Worten fasste der tschechische Architekt Jan Kotera seine Auffassung der modernen Architektur zusammen. Mit seinem Werk können sich seit Donnerstag bis zum 7. Juli Interessenten in Wien bekannt machen. Markéta Maurová weiß mehr.
Jan Kotera, 1898
Im Architekturzentrum Wien wurde am Donnerstag eine Ausstellung mit dem
Namen "Jan Kotera 1871 - 1923: Aufbruch in die tschechische
Moderne" eröffnet. Sie wurde nicht direkt in Wien, sondern vom Prager
Repräsentationshaus konzipiert. Mehr sagte mir Vanda Skálová von der
Ausstellungsabteilung des Repräsentationshauses:
"Es handelt sich um eine reduzierte Version der Ausstellung, die wir im Repräsentationshaus in Prag vorgestellt haben. Das Architekturzentrum Wien wollte Kotera eher in dem rein architektonischen Bereich vorstellen und daher präsentieren wir in Wien vor allem Pläne, Modelle und Koteras Architekturzeichnungen. Die Möbelentwürfe, angewandte Kunst und Design wurden reduziert."
Museum in Hradec Kralove, 1. Version, 1907
Jan Kotera ist eine bedeutende Figur der modernen europäischen
Architektur. Er ließ sehr früh die Methoden und Stilmittel des Jugendstils
hinter sich und gelangte in seiner Arbeit zu einer Bauweise, die durch
eine Reduktion des Fassadendekors zu Gunsten der Transparenz der
Konstruktionsweise und der verwendeten Materialien gekennzeichnet ist.
Neben Josef Hoffman, Joze Plecnik und anderen war er einer der ersten
Absolventen der Spezialschule für Architektur Otto Wagners an der Wiener
Akademie der bildenden Künste. Seine Kontakte nach Wien spiegeln sich
natürlich auch in der Ausstellung wider:
Museum in Hradec Kralove, 1909-1913
"Wir zeigen sein Verhältnis zu Wien, und zwar nicht nur auf der Ebene
seiner Studienjahre im Atelier Otto Wagners an der Wiener Akademie,
sondern auch seine späteren Arbeiten für das Gebiet Österreichs, besonders
Entwürfe für private Auftraggeber, aber auch einige Entwürfe für
nichtrealisierte Gebäude, wie etwa das der Wiener Bank."
Stuhl für das Nationaltheater
Bereits zu Lebzeiten galt Jan Kotera in den böhmischen Ländern als
Vorreiter der Moderne und prägte mehrere Generationen tschechischer
Architekten. Seine Bedeutung fasst Vanda Skálová zusammen:
"Jan Kotera ist eine Schlüsselpersönlichkeit der tschechischen modernen Architektur. Er war aber ein bedeutender Architekt nicht nur im tschechischen Kontext, sondern bemühte sich natürlich auch um die Präsentation der tschechischen Kunst und Architektur in Europa. Dabei konnte er seine zahlreichen Kontakte zu seinen Kommilitonen aus der Studienzeit in Wien nutzen."