Tagesecho Das tschechische Sportwochenende: Leiste gut, Leistungen gut
Es dauert keine Woche mehr, dann beginnen im kanadischen Vancouver die Olympischen Winterspiele. Zu den größten tschechischen Medaillenhoffnungen gehört traditionell die starke Eishockeynationalmannschaft um Superstar Jaromír Jágr. Doch der trieb den tschechischen Fans am Wochenende Sorganfalten ins Gesicht.
Jaromír Jágr (Foto: ČTK)
Der 37-jährige Ausnahmestürmer Jaromír Jágr hatte erst im vergangenen
Mai sein Comeback in der Eishockeynationalmannschaft gefeiert. Nun soll er
das tschechische Team zum ersten großen Titel seit dem Gewinn der
Weltmeisterschaft 2005 führen. Groß war daher der Schock, als Jágr am
Freitag ein Meisterschaftsspiel seines russischen Klubs Awangard Omsk
verletzt abbrechen musste. Russische Sportmagazine meldeten, Jágrs
Olympiateilnahme sei in Gefahr und spekulierten über Leistenprobleme, die
dem Tschechen während seiner Karriere schon mehrfach zu schaffen machten.
Am Samstag aber folgte sogleich die Entwarnung: Die Leiste der Nation
hält! Der sichtlich geschwächte Jágr nannte eine Darminfektion als
Grund
für seinen Ausfall:
Foto: ČTK
„Die Beschwerden gingen so schnell, wie sie gekommen waren. Der
letzte
Monat war sehr anstrengend, vor allem wegen der langen Reisen zu den
Spielen in der russischen Liga. Ich möchte mich nun erstmal einen Tag
ausruhen, dann steige ich wieder ins Training ein, und dann bleiben immer
noch mehrere Tage bis zum ersten Olympia-Spiel.“
Am Donnerstag wird Jágr wie geplant mit dem Eishockeyteam nach Vancouver fliegen.
Abgesehen von Jágrs Leiste sorgten sich die tschechischen Sportfans auch
um Tennisspielerin Lucie Šafářová. Die tschechische Nummer 1 wurde in
der vergangenen Woche von einer fiebrigen Erkältung geplagt. Ein
ungünstiger Zeitpunkt, denn am Wochenende stand in Brno / Brünn das
Fed-Cup-Viertelfinale gegen Deutschland auf dem Programm. Die
angeschlagene
Šafářová verlor ihr Auftakteinzel gegen Anna-Lena Grönefeld sang- und
klanglos. Teamchef Petr Pála reagierte und ersetzte Šafářová durch
die
24-jährige Fed-Cup-Debütantin Lucie Hradecká, die sogleich zur Heldin
des Wochenendes avancierte. Im Einzel bezwang sie die Deutsche Andrea
Petkovic in zwei Sätzen.
Von links Květa Peschkeová und Lucie Hradecká (Foto: ČTK)
Die endgültige Entscheidung zum 3:2 für
Tschechien fiel dann im abschließenden Doppel, in dem Hradecká und ihre
Partnerin Květa Peschkeová den deutschen Gegnerinnen keine Chance
ließen. Hradecká war dementsprechend glücklich über ihren gelungenen
Einstand:
„Ich bewerte diesen Erfolg wie einen Tourniersieg. Wenn ein Debüt so abläuft, ist das gut für die Karriere und für das Selbstbewusstsein. Das spornt an. Ich war natürlich nervös, aber ich habe versucht, das so gut wie möglich zu kaschieren. Das Match habe ich genossen.“
Die tschechischen Tennisspielerinnen treffen nun im Fed-Cup-Halbfinale auf Titelverteidiger Italien.
Auf einen Titelverteidiger trifft auch die krisengeschüttelte tschechische Fußballnationalmannschaft. In Warschau erwischten die Tschechen bei der Auslosung zur Qualifikation für die EM 2012 die denkbar schwerste Aufgabe.
Ivan Hašek
„Wir haben mit Europameister Spanien die derzeit beste Mannschaft
der
Welt in der Gruppe. Jetzt im Moment kann ich nicht sagen, ob das ein gutes
oder ein schlechtes Los ist. Es ist einfach ein schweres Los. Bei der
Qualifikation zur WM haben wir gedacht, wir hätten ein leichtes Los, und
sie wissen, wie das ausgegangen ist. Ich will das nun realistisch
beurteilen: Es entscheidet sich auf dem Spielfeld“, reagierte
Verbandspräsident Ivan Hašek frei nach Sepp Herbergers Weisheit
„Wichtig is auf’m Platz“.
Und genau da müssen die tschechischen Fußballer nicht nur gegen Spanien mehr zeigen, als während der verkorksten WM-Qualifikation. In ihrer Gruppe kämpfen außer dem amtierenden Europameister noch Schottland, Litauen und Außenseiter Liechtenstein um die Teilnahme an der EM, die 2012 in Polen und der Ukraine stattfindet.

