Feuilleton Eintrag in Enzyklopädie reicht nicht
Zuerst habe ich gedacht, dass es sich schon um eine Nachricht aus dem Bereich der Silvestermeldungen und Aprilscherze handelt, die etwas zu früh veröffentlicht wurde. Denn am Vorabend des letzten Tags im Jahr hätte ich so etwas für durchaus möglich gehalten.
Die Information brachten jedoch
sowohl die auflagenstärkste Tageszeitung, als auch einige Internetserver
und auch die tschechische Nachrichtenagentur. Und sie war gar nicht als
Silvesterwitz gemeint, auch wenn sie so wirken konnte: Der Sprecher des
kontroversen Bürgermeisters eines Prager Stadtbezirks hat versucht, den
Lebenslauf seines Arbeitgebers auf Wikipedia zu korrigieren. Gleich einige
Male löschte der fleißige Mann die Abschnitte in der Biografie seines
Chefs, die negative Informationen über den Kommunalpolitiker enthielten.
Als die Verwalter des Servers die Seite wieder auf den ursprünglichen
Stand gebracht haben, bemühte sich der loyale Pressesprecher erneut, das
Image des Bürgermeisters aufzupolieren. Für immer verschwinden sollte
etwa die Information darüber, dass er einst mit dem Auto einen Polizisten
angefahren hat, der ihn darauf aufmerksam machte, dass die Brücke, auf die
er fuhr, gesperrt ist. In der Wikipedia konnte man auch über den
umstrittenen Verkauf von Immobilien in dem Stadtteil sowie den fingierten
Kauf von Grundstücken lesen. Die Verwalter der Internetenzyklopädie haben
die Seite schließlich abgeschlossen und durch die Bemerkung ergänzt, der
Sprecher habe sich wiederholt bemüht, den Eintrag zu korrigieren. Der
Pressesprecher hatte für seine Aktivität jedoch eine Erklärung parat: Er
habe die Informationen irrtümlicherweise gelöscht. Da es droht, dass ein
anderes Mal mit einem falschen Klick auch die positiven Informationen über
den Herrn Bürgermeister oder sogar das ganze Stichwort verschwinden
könnten, sollte der Pressesprecher als loyaler Beamter doch erwägen, ob
er sich nicht im Umgang mit der Maus schulen lassen sollte. Für den Fall,
dass er den ganzen Karrieregang seines Chefs löschen würde, sollte er
vielleicht eine Biografie zu schreiben beginnen. Denn jede berühmte
Persönlichkeit verdient nicht nur einen Eintrag in der Enzyklopädie,
sondern eine umfassende Biografie in Buchform.