Feuilleton Eintrag in Enzyklopädie reicht nicht

02-01-2010 01:01 | Martina Schneibergová

Zuerst habe ich gedacht, dass es sich schon um eine Nachricht aus dem Bereich der Silvestermeldungen und Aprilscherze handelt, die etwas zu früh veröffentlicht wurde. Denn am Vorabend des letzten Tags im Jahr hätte ich so etwas für durchaus möglich gehalten.

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Die Information brachten jedoch sowohl die auflagenstärkste Tageszeitung, als auch einige Internetserver und auch die tschechische Nachrichtenagentur. Und sie war gar nicht als Silvesterwitz gemeint, auch wenn sie so wirken konnte: Der Sprecher des kontroversen Bürgermeisters eines Prager Stadtbezirks hat versucht, den Lebenslauf seines Arbeitgebers auf Wikipedia zu korrigieren. Gleich einige Male löschte der fleißige Mann die Abschnitte in der Biografie seines Chefs, die negative Informationen über den Kommunalpolitiker enthielten. Als die Verwalter des Servers die Seite wieder auf den ursprünglichen Stand gebracht haben, bemühte sich der loyale Pressesprecher erneut, das Image des Bürgermeisters aufzupolieren. Für immer verschwinden sollte etwa die Information darüber, dass er einst mit dem Auto einen Polizisten angefahren hat, der ihn darauf aufmerksam machte, dass die Brücke, auf die er fuhr, gesperrt ist. In der Wikipedia konnte man auch über den umstrittenen Verkauf von Immobilien in dem Stadtteil sowie den fingierten Kauf von Grundstücken lesen. Die Verwalter der Internetenzyklopädie haben die Seite schließlich abgeschlossen und durch die Bemerkung ergänzt, der Sprecher habe sich wiederholt bemüht, den Eintrag zu korrigieren. Der Pressesprecher hatte für seine Aktivität jedoch eine Erklärung parat: Er habe die Informationen irrtümlicherweise gelöscht. Da es droht, dass ein anderes Mal mit einem falschen Klick auch die positiven Informationen über den Herrn Bürgermeister oder sogar das ganze Stichwort verschwinden könnten, sollte der Pressesprecher als loyaler Beamter doch erwägen, ob er sich nicht im Umgang mit der Maus schulen lassen sollte. Für den Fall, dass er den ganzen Karrieregang seines Chefs löschen würde, sollte er vielleicht eine Biografie zu schreiben beginnen. Denn jede berühmte Persönlichkeit verdient nicht nur einen Eintrag in der Enzyklopädie, sondern eine umfassende Biografie in Buchform.

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