Hörerforum Die neuen QSL-Karten und ein optimistischer Blick ins neue Jahr
Wieder einmal sind zwei Wochen vergangen. Das bedeutet, es ist wieder Zeit für Ihre Rubrik, liebe Hörerinnen und Hörer. Es ist Zeit für das Hörerforum. Wir sagen Ihnen nun, was wir in den vergangenen Wochen in unserem Briefkasten gefunden haben, und stellen Ihnen die neue QSL-Kartenserie vor.
Ahoj und herzlich Willkommen zum Hörerforum, dem letzten im Jahr 2009!
Zunächst möchten wir uns noch einmal bedanken für die zahlreichen guten
Weihnachtswünsche, die uns vor den Feiertagen noch erreicht haben.
Weihnachten liegt aber nun bereits hinter uns, das Jahr 2010 nähert sich
mit Riesenschritten. Wir schauen also nach vorne, aber nicht ohne zuvor
„Danke!“ zu sagen für Unmengen an Empfangsberichten. Die kamen diesmal
zum Beispiel von Peter Herklotz aus Frauenstein, Krispin Bisek aus Bad
Saarow, Christoph Paustian aus Murg, Rainer Selle aus Halle an der Saale
und Fredy Jarnott aus Berlin. Auch aus dem Fernen Osten kam wieder ein
Empfangsbericht, und zwar von Osamu Aikawa aus der japanischen Metropole
Tokio. Er hat uns sogar ein paar Zeilen geschrieben. Leider konnte niemand
von uns die japanischen Schriftzeichen entziffern. So bleibt uns nur zu
hoffen, dass Ihnen das Programm gefallen hat und Sie bald wieder
zuschalten, Herr Aikawa!
Gut verständlich, weil auf Deutsch, waren für uns hingegen die Zeilen, die uns Helga und Walter Baier aus Ober-Grafendorf zusammen mit ihrem Empfangsbericht gesendet haben:
„Wir haben mit der Versendung von Empfangsberichten nun ziemlich genau
ein Jahr ausgesetzt. Denn seit Januar 2009 haben wir einen neuen Job. Aber
jetzt, da das Meiste von selbst läuft, können wir es uns erlauben, wieder
etwas mehr Zeit in das Radiohobby zu investieren, wenn auch nicht mehr in
dem Ausmaß wie in der Vergangenheit. Im letzten Jahr hat sich gerade
einmal eine Handvoll Radiostationen herauskristallisiert, die für uns von
Bedeutung sind und mit denen wir Kontakt halten wollen.“
Liebe Baiers, wir freuen uns sehr, dass Radio Prag zu diesen Stationen gehört! Willkommen zurück auf unseren Wellen!
Ihre Empfangsberichte werden natürlich weiterhin mit Radio-Prag-QSL-Karten belohnt. Und damit sind wir schon bei dem Thema, das wir bereits vor zwei Wochen angekündigt haben, und auf das viele von Ihnen wohl schon sehnsüchtig gewartet haben: die Vorstellung der QSL-Kartenserie für 2010. Nach den tschechischen Sportlern im Jahr 2008 und den tschechischen Lokomotiven in diesem Jahr sind auf den QSL-Karten im kommenden Jahr tschechische Schriftsteller zu sehen. Auch 2010 umfasst die Serie insgesamt acht Karten, und sicherlich gehen Ihnen schon einige tschechische Schriftsteller durch den Kopf, die auf ihnen zu sehen sein könnten. Natürlich nicht fehlen darf Václav Havel.
Der frühere Dissident und spätere Staatspräsident der Tschechoslowakei
und Tschechiens ist in seiner wohlverdienten Politikerrente wieder zu
seinen Anfängen als Schriftsteller zurückgekehrt. Denn Václav Havel, der
bereits zu Beginn der 60er Jahre anfing, Theaterstücke, Gedichte und
Essays zu schreiben, feierte 2007 sein literarisches Comeback mit dem Drama
„Abgang“. In diesem Jahr war Havel natürlich der gefeierte Mann bei
den Feierlichkeiten zum 20. Jahrestag der Samtenen Revolution, an der er
einen großen Anteil hatte.
Für den Romancier Milan Kundera war es hingegen ein wechselhaftes Jahr 2009. Er sah sich Verdächtigungen ausgesetzt, als junger Student in den 50er Jahren einen Kommilitonen beim kommunistischen Geheimdienst angeschwärzt zu haben. Auch wenn die Vorwürfe noch nicht endgültig geklärt wurden, erhielt Kundera im Dezember die Ehrenbürgerschaft seiner Heimatstadt Brno / Brünn. Unter Literaturwissenschaftlern genießt er ungeachtet aller politischen Vorwürfe einen guten Ruf als Schriftsteller. Zwar schreibt er seit 1993 nur noch auf Französisch. Trotzdem hat es Kundera wegen seiner früheren tschechischen Werke auf eine der neuen QSL-Karten von Radio Prag geschafft.
Havel und Kundera, das sind bekannte Namen in der Weltliteratur. Noch
bekannter dürfte aber Franz Kafka sein. Nun werden sich manche von Ihnen
wundern, denn Kafka schrieb schließlich Zeit seines Lebens auf Deutsch.
Aber Kafka gehört zur tschechischen Hauptstadt Prag wie die Burg, so ist
auch ihm eine QSL-Karte gewidmet.
Aber auch weniger bekannte Namen finden Sie in der neuen QSL-Serie. Jaroslav Hašek zum Beispiel. Seine Figur des „braven Soldaten Schwejk“ ist wohl bekannter als der Schriftsteller selbst.
Und wussten Sie, dass es ein Tscheche war, der das Wort „Roboter“ erfunden haben soll? Zum ersten Mal verwendet wurde das Wort in dem Science-Fiction-Drama „R.U.R.“. Der Autor hieß Karel Čapek und ist zweifelsohne einer der bedeutendsten tschechischen Schriftsteller. Čapek starb 1938. Er war mehrfach für den Literaturnobelpreis nominiert. Bekommen hat er ihn allerdings nie.
Das könnte hingegen der Dichter Jaroslav Seifert von sich behaupten, wenn
er noch leben würde. Seifert starb 1986. Zwei Jahre zuvor bekam er den
Nobelpreis für Literatur, und das obwohl seine Werke in der damaligen
Tschechoslowakei seit 1968 nicht mehr erscheinen durften.
Havel, Kundera, Kafka, Čapek und Seifert, und außerdem noch drei weitere bedeutende Schriftsteller finden Sie also im kommenden Jahr auf den QSL-Karten, mit denen wir Ihre Empfangsberichte belohnen. Wir hoffen, das ist ein Anreiz für Sie, fleißig Berichte zu schreiben und zu schicken.
Vielleicht inspiriert Sie unsere neue QSL-Serie, mal das ein oder andere Buch der abgebildeten Schriftsteller zur Hand zu nehmen und ein wenig in tschechischer Literatur zu blättern. Vergessen Sie aber dabei bitte das Radiohören nicht! Denn auch im neuen Jahr setzen wir unser Programm zunächst fort. Darüber waren ja einige von Ihnen besorgt. Zum Beispiel Wolf-Lutz Kabisch aus Malschwitz:
„Traurig macht mich der Sendeplan, der nur bis zum 31. Dezember gilt. Gibt es keinen Ausweg mehr? Sollte Radio Prag – eine alte Stimme Europas – nicht mehr senden? Schwer vorstellbar, denn ich höre Radio Prag schon seit Jahrzehnten.“
Auch Joachim Verhees aus Krefeld ist Radio Prag schon sehr lange treu. Er schrieb uns:
„Ich hoffe 2010 wird ein gutes Jahr, in dem ich und viele andere auch
weiterhin Ihre Sendungen hören können! Meine Stimmung ist sehr bedrückt.
Ohne Ihre Sendungen würde mir etwas fehlen.“
Es tut uns leid, dass wir Ihnen immer noch nichts Genaueres mitteilen können, aber wie gesagt: Im Januar geht es zunächst weiter wie bisher. Eine Entscheidung über das Schicksal unserer Kurzwellensendungen fällt frühestens Ende Januar. Wir bemühen uns nach Kräften, dass Radio Prag der Kurzwelle erhalten bleibt! Hermann Heyne-Pietschmann aus Erfurt sendete uns zu dem Thema sogar ein optimistisches selbst gereimtes Gedicht:
„Die Jahre kommen und gehen,
doch das Radiohören bleibt bestehen.
Wer einmal ferne Sender hört
Und der Empfang ist ungestört,
der bleibt dem treu, so lang es geht
und nichts vom Sonnenwind verweht.
Ich wünsche allen Radiofreunden
Und Radio Prag mit allen Leuten,
dass auch im Jahr 2010
die kurze Welle bleibt bestehn.
Und ist das Radiowetter mal nicht nett,
dann bleibt ja noch das Internet.“
Vielen Dank für Ihr Gedicht, Herr Heyne-Pietschmann! Im Internet wird es
Radio Prag mit Sicherheit auch in Zukunft noch geben. Drücken Sie uns
bitte die Daumen, dass das auf der Kurzwelle auch so bleibt, denn wir
wissen, dass viele von Ihnen keinen Internetzugang haben! Wir wünschen
Ihnen allen, ob Sie über Kurzwelle oder Internet hören, einen guten
Rutsch und ein gutes neues Jahr! Auf Ihre Post freuen wir uns auch
weiterhin. Schicken Sie die bitte an Radio Prag, Vinohradská 12, 120 99
Praha 2, Tschechische Republik oder per Email an deutsch@radio.cz. Machen
Sie es gut und auf Wiederhören im Jahr 2010!