Reiseland Tschechien Mit dem Rad zum Folklorefest: Willkommen in Kyjov
Das Grenzland zwischen Tschechien und der Slowakei – die mährische Slowakei – gilt heute als ein Paradies aller Folkloreliebhaber. 40 Kilometer südöstlich von Brno / Brünn liegt Kyjov. Neben Strážnice ist es das zweite Verwaltungs- und Kulturzentrum der mährischen Slowakei.
Kyjov
Das Angebot an Veranstaltungen ist für eine Stadt mit etwa 12.000
Einwohnern überraschend groß. Davon konnte ich mich am St. Martinstag im
örtlichen Infozentrum überzeugen. Was zieht die Touristen nach Kyjov?
Jana Jelínková ist Mitarbeiterin des Zentrums:
Maria-Himmelfahrtskirche (Foto: Autorin)
„Die meisten Touristen kommen, um die Folklore zu erleben, um die
herrlichen Trachten sowie die Feste und Bräuche kennen zu lernen. Es gibt
aber auch viele Sehenswürdigkeiten hier in der Umgebung. Direkt in Kyjov
befinden sich ein Renaissancerathaus und ein Renaissanceschlösschen, wo
das Museum den Sitz hat. Die Besucher können auch die schöne
Maria-Himmelfahrtskirche auf dem Marktplatz besichtigen. Die meisten
Touristen kommen zu uns während der Sommerferien. Im Herbst besuchen die
Stadt vor allem die Weinliebhaber. Heute werden hier beispielsweise die
St.
Martinsweine vorgestellt. Die Leute können nur vorbeikommen, Weine
verkosten und etwas Kleines dazu essen.“
Für die Weinliebhaber, die ein wenig sportlich sind, gibt es bestimmt eine Möglichkeit, die Verkostung mit Wanderungen oder Radwanderungen zu verbinden…
„Ja, vor einigen Jahren wurde das Projekt der mährischen Wein-Radwege
ins Leben gerufen. Diese führen von Znojmo / Znaim bis nach Uherské
Hradiště. Das gesamte Netz von Radwegen misst etwa 1.200 Kilometer.
Unweit von Kyjov können wir den Interessenten beispielsweise eine
Wanderung durch den Waldkomplex Doubrava empfehlen, der sich zwischen
Dubňany, Vracov und Strážnice erstreckt. Dort befindet sich
beispielsweise die Farm Rudník. Auf den Asphaltwegen in der Umgebung von
Kyjov kann man sehr gut Rad fahren. Seit diesem Jahr gibt es bei uns im
Infozentrum auch die Möglichkeit, das Rad auszuleihen. Es ist bemerkbar,
dass jedes Jahr immer mehr Radtouristen kommen und da wollen wir ihnen
noch
mehr anbieten.“
Bieten Sie auch bestimmte Führungen durch die Umgebung oder Stadtführungen an?
„Leider nicht, denn wir sind ein kleines Infozentrum und haben nicht keine Kapazitäten dafür. Aber wir können die Besucher bestimmt gut beraten und ihnen ausführliche Materialien geben. Die Touristen sind meistens zufrieden.“
Was würden Sie einem Touristen empfehlen, der beispielsweise zwei Tage in Kyjov verbringen möchte?
Barockschloss Milotice
„Wenn er sich für die Geschichte interessieren würde, würde ich ihm
bestimmt den Besuch im Schloss Milotice empfehlen. Das Barockschloss mit
wertvollen Interieurs liegt nicht weit von Kyjov entfernt. Man findet dort
einen schönen französischen Garten und einen englischen Park. Dann
könnte er das Dorf Žarošice empfehlen. In der dortigen Barockkirche der
Heiligen Anna ist eine bekannte gotische Madona-Statue. Im September
findet
dort eine große Wallfahrt statt. Nicht weit von Kyjov kann man die
Burgruine Cimburk besuchen. Cimburk steht inmitten der Wälder im
Hügelland Chřiby.“
Aus welchen Ländern kommen die meisten Touristen?
„Die meisten ausländischen Besucher aus der Slowakei, aus Österreich, Deutschland und aus den Niederlanden.“
Den Bürgermeister von Kyjov, František Lukl, habe ich bei der traditionellen Verkostung der St. Martinsweine im Hof des Infozentrums getroffen. Seinen Worten zufolge haben heute die Weinliebhaber höhere Ansprüche und kennen sich viel besser in den Weinsorten aus als früher. Früher hätten die Besucher der Weinfeste, die nicht aus einer Weinbauregion stammten, nur zwischen Weiß- und Rotwein unterschieden, sagt der Bürgermeister:
„Heute unterscheiden sie zwischen Qualitätsweinen, Weinen mit
Prädikat
sowie Landweinen und versuchen die verschiedenen Geschmacksnuancen zu
erkennen. Es ist sehr interessant zu hören, wie die Leute über die Weine
diskutieren und sie bewerten.“
Kyjov mit seiner Umgebung sei aber nicht nur durch den Weinbau bekannt geworden, meint der Bürgermeister:
„Kyjov veranstaltet einmal in vier Jahren das älteste Folklorefestival in Tschechien - das so genannte ´Mährisch-Slowakische Jahr´. Während des ganzen Jahres gibt es zudem verschiedene Volksfeste wie zum Beispiel das Sommer- und das Erntefest oder die Weinlese. Zu den Feierlichkeiten kommen regelmäßig Touristen nicht nur aus der ganzen Republik, sondern vor allem auch aus den Nachbarländern – aus Österreich, Deutschland sowie der Slowakei. Die Folklore ist nämlich in unserer Region lebendig, sie entwickelt sich immer noch.“
Wenn gerade keines der traditionellen Volksfeste stattfindet, kann man trotzdem an einem Ort die mährisch-slowakischen Melodien hören beziehungsweise einige der regionalen gastronomischen Spezialitäten kosten? Jana Jelínková hat einen Geheimtipp:
Mühle in der Gemeinde Bukovany (Foto: www.bukovansky-mlyn.cz)
“Vor einigen Jahren wurde in der Gemeinde Bukovany eine Mühle im
traditionellen Baustil erbaut. Die Mühle steht auf einem Hügel und dient
als ein Aussichtsturm und als eine kleine Galerie. Zudem gibt es dort ein
Restaurant im mährisch-slowakischen Stil, wo die Bedienung die hiesigen
Volkstrachten trägt. In den umliegenden Häuschen kann man
übernachten.“
In einer der nächsten Ausgaben von Reiseland Tschechien werden wir Sie genau dorthin einladen: in die Mühle von Bukovany. Aber nicht nur das. Auch das Schloss von Kyjov, in dem heutzutage das Regionalmuseum untergebracht ist, werden wir besuchen.