Tagesecho Sportfans im Wechselbad: Šebrle nur Elfter in Berlin – Drei Teams siegen in Europa League
Am Donnerstag haben die Sportfans in ganz Tschechien wieder kräftig die Daumen gedrückt – für ihre besten Leichtathleten bei der WM in Berlin und für gleich fünf Fußballmannschaften, die in der vierten Qualifikationsrunde zur Europa League im Einsatz waren. Ihre Hoffnungen haben sich dann aber nur zum Teil erfüllt.
Foto: ČTK
Zwei Medaillen sollten es schon sein, tönte der Cheftrainer der
tschechischen Leichtathleten, Václav Fišer, vergangene Woche auf die
Frage, wie viel Stück Edelmetall seine Schützlinge von der WM mit nach
Hause bringen sollten. Speerwerferin Barbora Špotákova hat die fest
eingeplante Plakette bereits im Sack, auch wenn sie diesmal nur silbern
glänzt. Die zweite große Medaillenhoffnung, Zehnkampf-Weltrekordler
Roman
Šebrle, aber konnte die in ihn gesetzten Erwartungen nicht erfüllen. Der
34-jährige Modellathlet aus Prag lag als Fünfter nach drei Disziplinen
noch in Lauerstellung, ehe er mit tollen 2,11 Meter im Hochsprung weiter
an
Boden gutmachte. Nach dem anschließenden 400-Meter-Lauf, bei dem er
seine Bestleistung klar verfehlte, aber war er richtig sauer:
„Nur 20 Minuten nach dem Hochsprung, da kann man mich doch nicht schon laufen lassen! Das ist einfach eine Schande! Ich schaffe die größte Höhe und beende den Hochsprung somit als Letzter, doch ich muss sofort im ersten 400-Meter-Lauf starten – das ist wirklich eine Schande. Ich schäme mich heute für die internationale Leichtathletik.“
Seine eigene Leistung, die er am ersten Tag noch als gut einstufte, ließ jedoch im weiteren Wettkampfverlauf merklich nach. So sprang für ihn, den Erfolgsverwöhnten, diesmal nur der enttäuschende 11. Platz heraus. Und mit ihm reifte die Erkenntnis, die er lange von sich wies: „Meine Ära ist zu Ende“, sagte Šebrle vor Journalisten.
Schauplatz-Wechsel, denn am Donnerstag wurde auch in halb Europa wieder Fußball gespielt, und zwar die Qualifikation zur Europa League. Meister Slavia Prag bezwang dabei vor eigener Kulisse das Team von Roter Stern Belgrad mit 3:0. Doch nur auf dem Rasen erwiesen sich die Serben als gastfreundlich; ihre so genannten Fans waren es nicht. Auf der Anfahrt randalierten sie an zwei Tankstellen in Mähren, am Spieltag wüteten sie in der Prager Innenstadt. Libor Jelen, der Barkeeper eines zerstörten Restaurants, berichtet:
Fußballrowdys aus Serbien (Foto: ČTK)
„Eine ganze Horde von Rowdys ist über unser Restaurant
hergefallen.
Unseren Gästen und uns, dem Personal, hat man nichts getan, aber der
materielle Schaden, den sie hinterlassen haben, ist erschreckend. Die
Tische und Stühle auf unserer Terrasse wurden vollkommen demoliert,
unsere
Inneneinrichtung hat weniger abbekommen. Hier gingen ein paar Stühle,
Tische, eine Lampe und die Vitrine zu Bruch.“
Die tschechische Polizei hat insgesamt rund 200 Fußballrowdys aus Serbien
vorübergehend festgenommen. In Bukarest, wo Slovan Liberec Gastgeber
Dinamo mit 2:0 bezwang, stürmten einheimische Chaoten nach dem zweiten
Gegentor auf den Platz. Auch Sparta Prag konnte auswärts 2:0 gewinnen,
und
zwar im slowenischen Maribor. Teplice und Olmütz dagegen werden es schwer
haben, ihre Rückstände gegen Tel Aviv beziehungsweise Everton bei den
Rückspielen in einer Woche noch wettzumachen.

