Tagesecho Hohe Tamarisken: In Mikulov wird der jüdischen Bewohner gedacht

02-10-2008 14:39 | Martina Schneibergová

Im südmährischen Mikulov / Nikolsburg gab es vor dem Zweiten Weltkrieg eine lebendige jüdische Gemeinde, die praktisch während eines Tages zu existieren aufhörte. Am 8. Oktober 1938 wurde die Stadt von den deutschen Armeetruppen besetzt, und wegen dem bevorstehenden Besuch Hitlers in der Stadt folgte eine sehr schnelle Vertreibung der jüdischen Bevölkerung. Der jüdischen Bewohner der Stadt wird am 7. Oktober bei einer speziell für diesen Anlass vorbereiteten Musiktheater-Vorstellung im Schloss von Mikulov gedacht.

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Jan Antonín PitínskýJan Antonín Pitínský Auf die Idee, einen musikalisch-dramatischen Abend zum Gedenken an die einst berühmte jüdische Gemeinde von Mikulov zu veranstalten, kam die Brünner Kulturorganisatorin Marie Urbánková. Ihr gelang es für die Zusammenarbeit den renommierten Theaterregisseur Jan Antonín Pitínský sowie den Musikexperten Jan Špaček zu gewinnen. Der Titel des Abends „Vysoké tamaryšky“ (Hohe Tamarisken) geht zurück auf eine metaphorische Bezeichnung der Rabbiner, deren Worte erklingen werden. Der Regisseur ließ sich vor allem durch das Buch „Neun Tore“ von Jiří Langer inspirieren. Texte, die Schauspieler Jan Potměšil vortragen wird, werden Kompositionen von Pavel Haas und Dmitrij Schostakowitsch umrahmen. Ich fragte einen der Autoren des Musiktheaterstücks, Jan Špaček, ob es auch für ausländische Besucher verständlich ist.

„Dies ist eine wichtige Sache. Die Besucher werden meiner Meinung nach die Musik verstehen und dadurch das Ernsthafte und Tiefe an diesem Abend begreifen und sich hineinfühlen können. Aber ich kann sagen, dass der musikalische Teil an sich einen großen Wert hat und als ein selbständiges Konzert aufgeführt werden könnte. Die Musik wird nur um den dramatischen Rahmen bereichert werden.“

Dmitrij SchostakowitschDmitrij Schostakowitsch Fielen Ihnen noch andere Komponisten neben Schostakowitsch und Haas ein, als Sie nach geeigneten Werken für diese Vorstellung gesucht haben?

„Es bot sich beispielsweise Ernest Bloch mit seinen jüdisch geprägten Kompositionen an. Und außerdem dachte ich neben Haas an weitere Theresienstädter Komponisten, deren Werke in der Welt sehr gefragt sind. Das Leiden der Menschen in Theresienstadt war unheimlich groß. Den Komponisten wurde dort ermöglicht, Musik zu machen, nur aus dem einfachen Grund, um bei den Besuchen des Roten Kreuzes vorzuführen, wie kreativ man in Theresienstadt leben konnte.“

Beim Konzert wird das Streichquartett Nr. 3 von Pavel Haas vom Pavel-Haas-Quartett – einem jungen erfolgreichen tschechischen Kammerensemble – gespielt. Von Schostakowitsch kann man unter anderen elf Lieder zu Texten aus der jüdischen Volkspoesie hören. Es handelt sich um eine einzigartig zusammengestellte Musikveranstaltung. Rechnen Sie auch mit Besuchern aus dem Ausland?

„Wir haben uns nicht getraut, direkt Werbung für diesen Konzert- und Theaterabend im Ausland zu machen, eben weil die Texte auf Tschechisch vorgetragen werden. Aber ich glaube, dass die Musik so wertvoll und beeindruckend ist, dass ich natürlich auch ausländische Besucher am 7. Oktober in Mikulov gern begrüßen werde, die dort der jüdischen Gemeinde gedenken können.“

Der Konzertabend findet um 19 Uhr im Schloss in Mikulov statt, die Reprise kann man am 9. Oktober in Brno / Brünn sehen. Mehr über die Veranstaltungen erfahren Sie unter www.vysoketamarysky.cz

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