Spaziergang durch Prag Schnupf-Kakao und Pralinen: Schokolademuseum lädt ein
Nachdem vor kurzem auf der Prager Kleinseite das Kaffeemuseum eröffnet worden war, kann sich seit der vergangenen Woche die tschechische Hauptstadt nun auch durch ein Schokolademuseum rühmen. Unter dem Namen Choco-Story verbirgt sich in der Celetná Nr. 10 das Museum, das sich alle Schokoladefans bei ihrem Prag-Besuch nicht entgehen lassen sollen. Denn es bietet wirklich ein Erlebnis für alle Sinne, der Duft der Schokolade lockt die Passanten an.
Das Mekka aller Schokoladeabhängigen entstand dank einer Dame, die die
Feinheiten der Schokoladeherstellung in Belgien kennen lernte. Die Pragerin
Simona Mestdagh folgte ihrem belgischen Mann und zog vor etwa sechs Jahren
nach Brügge. Es gelang ihr inzwischen, in Belgien vier Läden mit
typischem tschechischem Spielzeug aus Holz zu eröffnen. Von Anfang an
dachte Sie auch daran, wie sie wiederum das typischste belgische Produkt
– die berühmten Pralinen und andere Schokoladeprodukte – in ihrer
Heimatstadt Prag zu mehr Popularität verhelfen könnte. Oft spazierte sie
mit ihrem Mann durch die Celetná in der Altstadt, und stellte sich vor,
wie es wäre, hier ein Schokolade-Museum zu eröffnen, erzählt Simona
Mestdagh. Und ihre Vorstellung hat sie vergangene Woche in die Tat
umgesetzt. Am 19. September wurde in der Celetná Nr.10 ein
Schokolademuseum eröffnet.
Dominique Persoone
„Einer der Gründe für die Errichtung des Museums war, dass die
Schokolade, die hier gewöhnlich verkauft wird, nicht von einer solchen
Qualität ist wie die Schokolade, die ich aus Belgien kenne. Denn Brügge
ist eine Stadt, die der Schokolade geweiht ist. Dort wird der Beruf des
Schokolademeisters in der Familie vererbt. Die Schokoladeherstellung ist
Handarbeit. In die echte Schokolade wird keinerlei zusätzliches
Pflanzenfett beigemischt, wie es manchmal in Tschechien der Fall ist. Ich
bin davon überzeugt, dass man nach einigen Kostproben in der Lage ist, die
richtige Schokolade zu erkennen.“
In Brügge hat Simona Mestdagh die besten Schokolademeister angesprochen, die sich dort gegenseitig konkurrieren. Sie hat sie ins Prager Museum eingeladen, wo sie ihr Können vorführen werden. An der Eröffnung des Museums nahm auch Dominique Persoone teil, der beispielsweise eine spezielle Schokolade für die Rolling Stones herstellte.
„Dieser Mann wird der Magier der Schokolade genannt. Denn er begann ungewöhnliche und etwas ausgefallene Zutaten in die Schokolade zu mischen wie Pfeffer, Rauch, Chilli, Wasabi – also die verschiedensten Zutaten, die man normalerweise kaum mit der Schokolade verbinden würde. Er mischt außerdem Alkohol, Coca-Cola und anderes in die Bonbons, die dann hervorragend schmecken. In der letzten Zeit ist Persoone einer der bekanntesten Schokolademeister in Belgien. Als die Rolling Stones voriges Jahr in Brüssel spielten, hat er speziell für sie den so genannten ´Schnupf-Kakao´ zubereitet. Darüber schrieb er sogar ein Buch, das im Prager Museum vorgestellt wird.“
Wie ich von den Experten hörte, verbirgt sich unter dem Schnupf-Kakao
verbirgt angeblich Kakao mit Himbeeren- oder Ingwerbeigeschmack.
Das Prager Schokolademuseum Choco-Story wurde nach dem Vorbild eines gleichnamigen Museums in Brügge eingerichtet. Neben einer historischen Ausstellung wird im Prager Choco-Story auch konkret gezeigt, wie die Schokolade entsteht, erklärt die Gründerin des Museums.
„In der ersten Etage des Museums gibt es ein Vorführungszentrum, wo Seminare veranstaltet werden. Dort können auch Laien verschiedene Rezepte lernen, sie können ihre eigene Schokolade produzieren und natürlich auch danach testen. Wir rechnen damit, dass das Museum auch Schulklassen besuchen, die auch die Schokoladeherstellung ausprobieren werden.“
In der Ausstellung kann man außerdem historisches Geschirr besichtigen,
in dem einst die Schokolade gekocht wurde. Kenner können im Prager Museum
eine große Sammlung von Schokoladeverpackungen bewundern. Zudem kann man
im Choco-Story viel über die positiven Auswirkungen der Schokolade auf den
menschlichen Organismus erfahren sowie über die Unterschiede zwischen der
heutigen Schokolade und den ersten Schokoladeprodukten vor ein paar tausend
Jahren. Vor 2600 Jahren, als die Azteken die Schokolade getrunken hatten,
war es noch keine Süßigkeit, sondern ein bitteres Getränk, das aber
stimulierende Wirkung hatte. Museumsleiter Ladislav Provaan nennt die
heutigen Schokoladeliebhaber „Schokoholiker“. Sie seien, so Provaan,
von der Schokolade abhängig, aber eigentlich sei dies nicht schädlich,
sagte er bei der Museumseröffnung.
Das Haus Nr. 10 in der Celetná kann übrigens auf eine süße Geschichte zurückblicken, wie Simona Mestdagh bemerkt. Als sie die Museumsausstellung vorbereitete, lernte sie eine nette Dame kennen, erzählt sie:
„Diese bestimmt netteste Dame in dieser Straße heißt Frau Sladká – zu Deutsch also süß. Sie ist Mitbesitzerin dieses Hauses und ihr Großvater hatte in diesem Haus einst eine Bäckerei gehabt. Und sie war begeistert durch die Idee, dass hier wieder nach vielen Jahren etwas Süßes, Duftendes angeboten wird. Die Idee, unseren Traum haben wir verwirklicht.“
Im heutigen Spaziergang durch Prag spazierten wir durch die Celetná, wo sich das Schokolademuseum befindet. Falls Sie wissen, wie diese Gasse auf Deutsch hieß, können Sie es uns schreiben. Aus den richtigen Antworten wird ein Gewinner ausgelost und mit einem Buch über Prag belohnt. Ihre Zuschriften richten Sie an Radio Prag, Vinohradska 12, 120 99 Prag 2.
Die richtige Antwort auf unsere Frage von der Septembersendung lautet: Die Medaillen, die im Nationalmuseum zu sehen sind, gewann Věra Čáslavská in Mexiko im Kunstturnen. Ein Buch über Prag geht an Fritz Andorf aus Meckenheim.





